1941-09-19 / Einsatzgruppen Event Report USSR No. 88: “Total number of executions amounts to 85,000”

Introduction

Einsatzgruppen Report No. 88, dated 19 September 1941, constitutes contemporaneous evidence of systematic Nazi mass murder in the occuopied Soviet Union.

Under the heading “liquidations,” Einsatzgruppe A (operating in the Baltic region) reported that “districts are now free of Jews,” and that “the number of persons liquidated by Einsatzkommando 3 together with Lithuanian partisans has risen to 46,692. The total number of executions amounts to approximately 85,000.” It further mentions that “544 mentally ill patients from the asylum in Aglona were liquidated with the assistance of Latvian self-defense units.”

Einsatzgruppe B similarly documented mass shootings. It reported that Sonderkommando 4a “shot 1,107 adult Jews, and the Ukrainian militia shot 561 juvenile Jews. Thus, Sonderkommando 4a has, up to 6 September 1941, dealt with a total of 11,328 Jews.” Furthermore, the report states that “a unit of the Higher SS and Police Leader executed 1,303 Jews, including 876 Jewish women over the age of 12.”

Document

Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD

Berlin, den 19. September 1941

IVA 1 – B.Nr. 1 B/41 g.Rs.

Geheime Reichssache!

48 Ausfertigungen, 36. Ausfertigung
Ereignismeldung UdSSR Nr. 88

I) Politische Übersicht:
a) Im Reich: Keine besonderen Ereignisse.
b) Besetzte Gebiete:

[…]

II) Meldungen der Einsatzgruppen und -kommandos:
Einsatzgruppe A: Standort Pesje.

Durch die Explosion einer Brücke in Luga wurde das Unterkunftsgebäude des Sonderkommandos Grauer stark in Mitleidenschaft gezogen; es brach zusammen und vergrub einen Teil der Leute. Sofort eingesetzte systematische Suche nach den Verschütteten ergab, daß mehrere Angehörige des Kommandos erheblich verletzt worden waren. Der SS- Untersturmführer Rudolf Wendt, geb. 17.2.06 in Riga (Dolmetscher), und der Rottwachtmeister Richard Borowski, geb. 29.9.09 in Sonnenburg, Angehöriger der OP-Kompanie Clausen, waren so schwer verletzt, daß sie auf dem Transport zum nächsten Feldlazarett starben.

Weiterhin wurden Oberwachtmeister der Reserve Golze, Polizeiwachtmeister Guss, Rottwachtmeister der Reserve Wernicke, Rottwachtmeister Berner, Oberwachtmeister der Schutzpolizei Rabe und SS-Scharführer Moll so schwer verletzt, daß
sie in das Feldlazarett eingeliefert werden mussten.

Liquidationen:

a) Durch das Sonderkommando des Einsatzkommandos 3 wurden zusammen mit litauischem Kommando Aktionen in den Kreisen Raseiniai, Rokiskis, Sarasai, Perzai, Prienai durchgeführt. Sämtliche Kreise sind nunmehr judenfrei. Durch diese Exekutionen erhöht sich die Zahl der durch das Einsatzkommando 3 mit litauischen Partisanen liquidierten Personen auf 46692. Die Gesamtzahl der Exekutionen beträgt rd. 85000.

b) Nach Überprüfung des Gefängnisses in Dünaburg wurden insgesamt 279 Personen, für die kein Haftgrund vorlag, in Freiheit gesetzt. 21 Personen wurden liquidiert.

c) Am 22.8. wurden von den Insassen des Irrenhauses Aglona insgesamt 544 Geisteskranke mit Unterstützung des lettischen Selbstschutzes liquidiert. 10 Männer, die als geheilt mit Defekt anzusehen sind, werden nach der durchzuführenden Sterilisation von dem Anstaltsleiter Dr. Berg entlassen. Mit dieser Maßnahme besteht das Irrenhaus nicht mehr. Die weitere Verwendung des Pflegepersonals (etwa 150 Personen) für die Truppenbetreuung bezw. für die Einrichtung eines Lazarettes wird in Verbindung mit der dortigen Feldkommandantur geklärt.

Maßnahmen in Riga:

In Riga wurden in der Berichtszeit 223 Durchsuchungen und Kontrollen vorgenommen. In den Gefängnissen befinden sich z.Zt. 3857 Personen, darunter 3569 Kommunisten, 172 Juden und 116 Personen, gegen die verschiedene Anzeigen laufen. Die Räumung des Gefängnisses geschieht laufend.

Maßnahmen im Gebiet der Stadt und des Kreises Dorpat:

Seit der Besetzung der Stadt durch deutsche Truppen wurden bisher rd. 1200 Haftsachen bearbeitet. Es handelt sich grösstenteils
um Personen, die wegen kommunistischer Betätigung festgenommen sind. 504 Personen wurden nach Abschluss der Ermittlungen und listenmäßiger Erfassung auf freien Fuss gesetzt. 150 Personen wurden entlassen, da offensichtlich kein Haftgrund vorlag. 211 Häftlinge wurden in das von der Feldkommandantur Dorpat eingerichtete und beaufsichtigte Bewahrungslager eingeliefert. Insgesamt wurden in Dorpat 405 Personen exekutiert, darunter 50 Juden. Juden befinden sich nicht mehr in Haft.

[…]

Von der Einsatzgruppe B liegen keine Meldungen vor.

Einsatzgruppe C: Standort Nowo Ukrainka.

Standorte.

Das Vorkommando von 4b, das bisher in Krjukow lag, ist inzwischen in Krementschug eingerückt. Die Arbeit in der Stadt Krementschug, die durch die Kampfhandlungen sehr gelitten hat, ist sofort aufgenommen worden. Das Kommando selbst wird nach Fertigstellung der im Bau befindlichen Flussbrücke nachrücken. Die Einsatzgruppe wird ebenfalls in den nächsten Tagen Standortwechsel, vermutlich nach Poltawa, vornehmen.

Maßnahmen auf sicherheitspolizeilichem Gebiet:

Am 6.9.41 führte das Kommando 4a eine Judenaktion in Radomysl durch. Dort hatten sich aus der gesamten Umgebung die Juden zusammengefunden. Die Judenwohnungen waren dadurch stark überfüllt. Durchschnittlich wohnten 15 Personen in einem Zimmer. Die sanitären Verhältnisse waren hierdurch untragbar geworden. Täglich mussten mehrere Judenleichen aus den Häusern entfernt werden. Eine Verpflegung der Juden, wie auch der Kinder, war nicht möglich. Die Folge hiervon war eine immer stärker werdende Seuchengefahr. Zur Beseitigung dieses Zustandes wurden vom Kommando 4a 1107 erwachsene Juden und von der ukrainischen Miliz 561 jugendliche Juden erschossen. Damit hat das Sonderkommando 4a bis zum 6.9.41 insgesamt 11328 Juden erledigt.

Das Vorkommando 4b hat in der Zeit vom 23.8. bis 5.9.41 insgesamt 519 Erschiessungen vorgenommen, darunter 56 Funktionäre und Agenten des NKWD, 28 Saboteure und Plünderer und 435 Juden.

Vom Einsatzkommando 5 wurden in dem Zeitraum vom 24.8. bis 30.8.41 157 Personen, die sich auf Juden. Funktionäre und Saboteure verteilen, erschossen.

Am 1. und 2.9.41 waren in Berditschew von Juden Flugblätter und Hetzschriften verteilt worden. Da die Täter nicht ermittelt werden konnten, wurden von einem Kommando des Höheren SS- und Polizeiführers 1303 Juden, darunter 876 Jüdinnen über 12 Jahre, exekutiert.

[…]





Chief of the Security Police and the SD

Berlin, 19 September 1941

IVA 1 – Ref. No. 1 B/41 g.Rs.

Top Secret Reich Matter!

48 copies, 36th copy

Operational Situation Report USSR No. 88

I) Political Overview:

a) In the Reich: No special events.

b) Occupied Territories:

[…]

II) Reports of the Einsatzgruppen and Einsatzkommandos:

Einsatzgruppe A: Location Pesje

Due to the explosion of a bridge in Luga, the accommodation building of Sonderkommando Grauer was severely damaged; it collapsed and buried part of the personnel. An immediately initiated systematic search for those buried revealed that several members of the unit had been seriously injured.

SS-Untersturmführer Rudolf Wendt, born 17 February 1906 in Riga (interpreter), and Rottwachtmeister Richard Borowski, born 29 September 1909 in Sonnenburg, member of OP Company Clausen, were so severely injured that they died during transport to the nearest field hospital.

Furthermore, Reserve Oberwachtmeister Golze, Police Wachtmeister Guss, Reserve Rottwachtmeister Wernicke, Rottwachtmeister Berner, Schutzpolizei Oberwachtmeister Rabe, and SS-Scharführer Moll were so seriously injured that they had to be admitted to the field hospital.

Liquidations:

a) By Sonderkommando of Einsatzkommando 3, actions were carried out together with Lithuanian units in the districts of Raseiniai, Rokiškis, Zarasai, Peržai, and Prienai. All districts are now free of Jews. Through these executions, the number of persons liquidated by Einsatzkommando 3 together with Lithuanian partisans has risen to 46,692. The total number of executions amounts to approximately 85,000.

b) After inspection of the prison in Dünaburg, a total of 279 persons for whom no grounds for detention existed were released. 21 persons were liquidated.

c) On 22 August, a total of 544 mentally ill patients from the asylum in Aglona were liquidated with the assistance of Latvian self-defense units. Ten men who are considered recovered but with defects will be released by the director of the institution, Dr. Berg, after the sterilization to be carried out. With this measure, the asylum ceases to exist. The further use of the nursing staff (approximately 150 persons) for troop support or for the establishment of a hospital will be clarified in coordination with the local field command.

Measures in Riga:

In Riga, 223 searches and inspections were carried out during the reporting period. There are currently 3,857 persons in prisons, including 3,569 Communists, 172 Jews, and 116 persons against whom various charges are pending. The clearing of the prison is ongoing.

Measures in the area of the city and district of Dorpat:

Since the occupation of the city by German troops, approximately 1,200 detention cases have been processed. These are mostly persons arrested for Communist activity.

504 persons were released after completion of investigations and registration in lists.
150 persons were released because there were evidently no grounds for detention.
211 prisoners were transferred to the detention camp set up and supervised by the field commandant of Dorpat.
A total of 405 persons were executed in Dorpat, including 50 Jews. No Jews remain in custody.

[…]

No reports have been received from Einsatzgruppe B.

Einsatzgruppe C: Location Novo Ukrainka

Locations:

The advance detachment of 4b, previously stationed in Kriukov, has now moved into Kremenchug. Work in the city of Kremenchug, which has suffered heavily from combat operations, has been resumed immediately. The unit itself will follow once the river bridge currently under construction is completed. The Einsatzgruppe will also change location in the coming days, probably to Poltava.

Measures in the field of security police:

On 6 September 1941, Kommando 4a carried out a Jewish action in Radomyshl. Jews from the entire surrounding area had gathered there. As a result, Jewish dwellings were extremely overcrowded. On average, 15 persons lived in one room. The sanitary conditions had thus become intolerable. Several Jewish corpses had to be removed from the houses daily. Provisioning of the Jews, including the children, was not possible. The result was an increasing danger of epidemics.

To eliminate this situation, Kommando 4a shot 1,107 adult Jews, and the Ukrainian militia shot 561 juvenile Jews. Thus, Sonderkommando 4a has, up to 6 September 1941, dealt with a total of 11,328 Jews.

The advance detachment 4b carried out a total of 519 shootings in the period from 23 August to 5 September 1941, including 56 NKVD functionaries and agents, 28 saboteurs and looters, and 435 Jews.

From 24 to 30 August 1941, Einsatzkommando 5 shot 157 persons, consisting of Jews, functionaries, and saboteurs.

On 1 and 2 September 1941, leaflets and inflammatory pamphlets had been distributed in Berdichev by Jews. Since the perpetrators could not be identified, a unit of the Higher SS and Police Leader executed 1,303 Jews, including 876 Jewish women over the age of 12.

[…]

Archivial reference:

Bundesarchiv (BArch) R 58/217


Scroll to Top