1943-03-24 / Swiss Intelligence Receives 1942 German Report on Ukraine that “Executions of Jews Have Not Improved Our Reputation”

Introduction

In March 1943, the Swiss Legation in Germany forwarded a transcript of a report from Alfred Rosenberg’s Ministry for the Occupied Eastern Territories dated May 13, 1942, on the public sentiment in German-occupied Ukraine during the Second World War. Among other observations, the report noted that “the exemplary conduct of the German soldiers dispelled the initial concerns about the alleged brutality of our troops. If we disregard the executions of Jews, which have not improved our reputation—however much Jewry is hated there—the hardships necessary in war have not greatly impressed the Russian people, for they are accustomed to such things”.

Document

Schweizerische Gesandtschaft in Deutschland
M.A./MK.
Nr. 52/422

Berlin NW 40
Fürst-Bismarck-Strasse 4

den 24. März 1943.

An den Armeestab, Gruppe I d.

Ich bringe in folgendem die Abschrift des Berichtes eines Beamten oder Angestellten (man sagt, er sei Vertrauensmann) des Reichsministers Rosenberg.

Die Stimmung in der Ukraine. 13. Mai 1942.

Es besteht kein Zweifel, dass die ukrainische Bevölkerung antibolschewistisch ist. Wenn sich auch bei unserem Einmarsch keine spontane Begeisterung gezeigt hat, so machte sich doch bald eine tiefe Befriedigung über die Befreiung vom Bolschewismus geltend. Vor allem das vorbildliche Verhalten der deutschen Soldaten verscheuchte die anfänglichen Besorgnisse vor der angeblichen Brutalität unserer Truppen. Wenn wir von den Juden-Exekutionen absehen, die unser Ansehen nicht verbessert haben, so sehr auch das Judentum dort verhasst ist, so haben die im Kriege notwendigen Härten das russische Volk nicht sehr beeindruckt, denn in diesen Dingen sind sie anderes gewöhnt. So mancher deutschen Spiesser und kleinen Beamten wölbt sich die Brust vor Hochgefühl, wenn er der Grausamkeiten gedenkt, deren er sich jetzt als Herrenmensch fähig fühlt. Stalins und Iwans III. Untertanen würden hohnlachen, wenn sie von diesen nietzscheanischen Gefühlen erführen.

Nur bei der jüngsten Jugend, bei denen bis zu 22, 23 Jahren, ist keine so einheitliche Ablehnung des Bolschewismus festzustellen. Wohl hat sich selbst bei den Kindern die Überzeugung festgesetzt, dass der Bolschewismus Not und Kerker bedeutet, doch von seinen Grundideen ist viel hängen geblieben. Anderseits haben aber auch diese schon so gut gelernt, den Machthabern nach dem Munde zu reden, dass ihre Überzeugungen selten in Erscheinung treten.

Das ist die politische Haltung, die uns in den ersten Tagen begegnete. Heute, nach einer langen deutschen Verwaltung, beginnt das Volk langsam über seine Zukunftsaussichten nachzudenken. Die politischen Hoffnungen sind bis jetzt noch keineswegs gleichartig; die Reste der früheren Intelligenz und Grossbauernschaft sind eindeutig zaristisch eingestellt. Die grosse Masse der Bauern wünscht nichts anderes als ein System, welches ihr Land zurückgibt, das ihr einst Lenin gegeben hatte, und segnet die NEP-Periode. Die neugebildete Intelligenz hat sich zumeist dem ukrainischen Nationalgedanken verschrieben. Einige von ihnen sehen ihn wohl nur unter deutscher Herrschaft. Die Mehrzahl träumt jedoch zweifellos von einer richtigen Autonomie, egal, welche politische Staatsform sie darstellen sollte. Die Arbeiterschaft und kleine Handwerker bringen uns zunächst wohl am meisten Vertrauen und Hoffnung auf eine Besserung ihrer Lebensverhältnisse entgegen.

Heute, nachdem mit der neuen Agrarordnung die erste grosse wirtschaftspolitische Entscheidung gefallen ist und Rückschlüsse auf unsere Zukunftsabsichten zulassen, besteht jedoch zweifellos die Gefahr dass sich die oben beschriebenen Gruppen zu einer einheitlichen Auffassung, nämlich zur gemeinschaftlichen Ablehnung der deutschen Vorherrschaft zusammenfinden, denn man wird immer mehr darauf hin, dass alle unsere wirtschaftspolitischen Massnahmen noch keine einzige entscheidende Befreiung von der wirtschaftlichen Ausbeutung der Sowjets gebracht haben. Die neue Agrarordnung wird solange nicht als Verbesserung der Kolchosenwirtschaft angesehen, als die unbeschränkten Zwangsablieferungspflichten weiter bestehen. Die Vergrösserung des Hoflandes ist nach den in den Ausführungsbestimmungen erhaltenen Beschränkungen als völlig bedeutungslos zu werten. Die Arbeiter bekommen keinen höheren Lohn als früher, die Handwerker müssen nach wie vor Sklaven des verhassten staatlichen Artels bleiben. Dazu kommt, dass die Löhne, welche wir den Arbeitern und die Preise, welche wir den Bauern für die abgelieferten Waren bezahlen, so niedrig sind, dass sie damit noch viel schlechter als bei den Sowjets leben. Wenn sich dies auch vielleicht in einigen Jahren verbessern kann, so war es bis jetzt auf Grund der von Berlin gegebenen Richtlinien noch in keinem der oben genannten Fälle möglich, dem Volke eine Befreiung von diesen Härten der totalen Zwangswirtschaft zu versprechen. Hierzu kommt, dass die politische Justiz – wenigstens in den letzten Wochen – noch genau so harte Masse anzulegen müssen scheint, wie es früher die G.P.U. getan hat, wenn auch vorwiegend andere Kreise davon betroffen werden. In den letzten Tagen wurden gerade solche ukrainischen Beamten verhaftet und erschossen, welche sich für uns politisch exponiert haben. Man sagt: Die Deutschen vollziehen jene Urteile, welche die G.P.U. über die “Verräter am Bolschewismus” in absentis verhängt habe. Die ukrainischen Beamten legen daher seit einigen Tagen immer häufiger ihre Ämter nieder und flüchten auf das Land. In Anbetracht dessen, dass die wirtschaftliche Ausbeute jetzt nicht mehr zugunsten einer Moskauer, sondern einer fremden Regierung im selben Stile weitergeht, hat sich beim Volk das Schlagwort geprägt: “Eine böse Mutter ist immer noch besser, als eine vielversprechende Stiefmutter”. Wenn diese Erscheinung wohl erst die ersten Zeichen einer kommenden Verstimmung gegen Deutschland sind und sonst die Mehrzahl des Volkes heute noch ein gewisses Vertrauen zu uns hat, so muss doch heute schon rechtzeitig auf diese Gefahren hingewiesen werden; denn die Russen sind das einzige Volk, welches keinen Hass und keine Verachtung gegen Deutschland kennt, und wie kein anderes bereit wäre, in enger Weise mit uns zusammen zu arbeiten, wenn man ihm nur ein gewisses Lebensrecht und eine bessere Zukunft einräumen will.

Unabhängig von dieser grossen Entwicklung der Stimmung hängt die Haltung des Volkes von den Tagesereignissen ab. Darunter spielen die erste Rolle: 1. die Nachrichten von der Front, 2. die Ernährungslage und 3. die Bekanntgabe von wichtigen Entscheidungen für die Zukunft des russischen Volkes.

Die im Winter eingetretene Nervosität und Furcht vor der Rückkehr der Bolschewisten hat sich nach der Festigung der Front und dem schon allenthalben sichtbaren grossen Frühjahrsaufmarsch wieder gelegt. Die Ernährung ist mit Ausnahme von Charkow und den grossen Donezstädten wenigstens soweit gesichert, dass die Leute nicht Hungers sterben (200 bis 300 gr Brot täglich pro Person). Jede Verbesserung und Sonderzuteilung wird mit einem Stimmungsaufschwung beantwortet, der weit über die Bedeutung der Sache hinausgeht. An grossen politischen Entscheidungen sind bis jetzt erst die Religionsfreiheit und die neue Agrarordnung bekanntgemacht worden. Doch wurde die Freiheit der Konfession niemals noch propagandistisch ausgewertet, weil die Propagandadienststellen keine diesbezüglichen Weisungen erhalten haben. Niemand wagt sich an dieses heikle Problem. Der zwei Zeilen lange Text des diesbezüglichen Gesetzes ist kommentarlos veröffentlicht worden. Die neue Agrarordnung hingegen wurde mit ungeheurem Propagandaaufwand bekanntgegeben. Sie hatte wohl die Wirkung, dass das Volk mit Befriedigung die Tatsache zur Kenntnis nahm, dass man sich endlich um seine lebhaftesten Hoffnungen und Gefühle kümmerte. Als Befreiung wurde sie jedoch keinesfalls empfunden, dazu sind die Bestimmungen über die neue Landbaugenossenschaft viel zu verklausiert und die Vergrösserung des Hoflandes viel zu unbedeutend. Mit Misstrauen erblickt man darunter eine verkappte Fortführung des Kolchossystems. Wenn dazu noch Mitglieder der deutschen landwirtschaftlichen Organisation immer wieder die Vorzüge des sowjetischen Agrarsystems loben und davon sprechen, dass sie dieses durchgebildete Agrarfassungssystem, das die Geschichte kennt, in Zukunft auch in Deutschland einführen wollen, und es in 10 Jahren wohl auch im Reich keinen Dorfkämmerer, sondern nur mehr eine staatliche Zuteilungsgenossenschaft geben werde, dann allerdings kann man von den Leuten nicht verlangen, dass sie an eine Abkehr vom Bolschewismus glauben.

Der Schweizerische Militärattaché:

[Unterschrift]
Oberst von Werdt







Swiss Legation in Germany
M.A./MK.
No. 52/422

Berlin NW 40
Fürst-Bismarck-Strasse 4

24 March 1943

To the Army Staff, Group I d.

I herewith submit a copy of the report of an official or employee (it is said he is a trusted agent) of Reich Minister Rosenberg.

The mood in Ukraine. 13 May 1942.

There is no doubt that the Ukrainian population is anti-Bolshevik. Even if no spontaneous enthusiasm was shown during our advance, a deep sense of satisfaction at liberation from Bolshevism soon became evident. Above all, the exemplary conduct of the German soldiers dispelled the initial concerns about the alleged brutality of our troops. If we disregard the executions of Jews, which have not improved our reputation—however much Jewry is hated there—the hardships necessary in war have not greatly impressed the Russian people, for they are accustomed to such things. Many a German petty bourgeois and minor official swells with pride when he recalls the cruelties of which he now feels capable as a “master race” man. Stalin’s and Ivan III’s subjects would laugh derisively if they learned of these Nietzschean sentiments.

Only among the youngest generation, those up to 22 or 23 years of age, is there no such uniform rejection of Bolshevism. Even among children the conviction has taken hold that Bolshevism means hardship and imprisonment, yet much of its basic ideas has remained. On the other hand, they have already learned so well to speak in accordance with those in power that their true convictions seldom come to light.

This is the political attitude that confronted us in the early days. Today, after a long period of German administration, the population is beginning to reflect on its prospects for the future. Political hopes are by no means uniform; the remnants of the former intelligentsia and large landowners are clearly monarchist in orientation. The great mass of peasants desires nothing more than a system that returns to them the land once given to them by Lenin, and they praise the NEP period. The newly formed intelligentsia has for the most part embraced the Ukrainian national idea. Some of them may see it only under German rule. The majority, however, undoubtedly dreams of genuine autonomy, regardless of the form of government it might take. The working class and small craftsmen initially show us the greatest trust and hope for an improvement in their living conditions.

Today, after the first major economic policy decision has been made with the new agrarian order—allowing conclusions about our future intentions—there is undoubtedly a danger that the groups described above will come together in a unified view, namely the collective rejection of German domination. Increasingly, people point out that none of our economic measures has yet brought a single decisive liberation from the economic exploitation of the Soviets. The new agrarian order will not be regarded as an improvement over the collective farm system as long as unrestricted compulsory delivery obligations continue. The enlargement of private plots, given the restrictions contained in the implementing provisions, is to be considered entirely insignificant. Workers receive no higher wages than before; craftsmen must continue to remain slaves of the hated state artel. In addition, the wages we pay workers and the prices we pay peasants for delivered goods are so low that they live even worse than under the Soviets. Even if this might improve in a few years, up to now, based on directives from Berlin, it has not been possible in any of the above cases to promise the population relief from these hardships of the total forced economy. Furthermore, political justice—at least in recent weeks—appears to apply measures just as harsh as those formerly used by the GPU, even if different groups are primarily affected. In recent days, precisely those Ukrainian officials who had politically exposed themselves for us have been arrested and shot. It is said that the Germans are carrying out those sentences which the GPU had passed in absentia on “traitors to Bolshevism.” Ukrainian officials are therefore increasingly resigning their posts and fleeing to the countryside. In view of the fact that economic exploitation now continues in the same manner not for Moscow but for a foreign government, a slogan has taken hold among the people: “A bad mother is still better than a promising stepmother.” If these developments are only the first signs of a coming alienation from Germany, and if the majority of the population still has a certain degree of trust in us, it is nevertheless necessary to point out these dangers in good time; for the Russians are the only people who harbor neither hatred nor contempt for Germany and who, more than any other, would be willing to cooperate closely with us if only they were granted a certain right to live and a better future.

Independently of this general development of opinion, the attitude of the population depends on daily events. The most important among these are: 1. news from the front, 2. the food situation, and 3. the announcement of important decisions concerning the future of the Russian people.

The nervousness and fear of the return of Bolshevism that arose in winter have subsided following the stabilization of the front and the now widely visible major spring offensive preparations. With the exception of Kharkov and the major Donets cities, food supply is at least sufficient to prevent people from starving (200 to 300 grams of bread per person daily). Every improvement and special allocation is met with an upswing in morale far exceeding the significance of the measure itself. So far, only religious freedom and the new agrarian order have been announced as major political decisions. However, freedom of religion has never been exploited for propaganda purposes, since the propaganda offices have received no instructions in this regard. No one dares to tackle this delicate issue. The two-line text of the relevant law was published without comment. The new agrarian order, on the other hand, was announced with enormous propaganda effort. It probably had the effect that the population took note with satisfaction of the fact that attention was finally being paid to its most vivid hopes and feelings. It was by no means perceived as liberation, however; the provisions concerning the new agricultural cooperative are far too obscure, and the enlargement of private plots far too insignificant. With suspicion, people see in it a disguised continuation of the collective farm system. If, in addition, members of the German agricultural organization repeatedly praise the advantages of the Soviet agrarian system and speak of introducing this fully developed agrarian administrative system—known to history—in Germany in the future, and that in ten years there will likely be no village treasurers in the Reich but only a state allocation cooperative, then one cannot expect people to believe in a departure from Bolshevism.

The Swiss Military Attaché:

[Signature]
Colonel von Werdt

Archivial reference:

Schweizerisches Bundesarchiv, E27#1000/721#9758-9*.


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