Introduction
A series of wartime letters from early 1944 shows how knowledge of Sonderkommando 1005 circulated within German military and SS circles. In this correspondence, Oberleutnant Willy Schell threatens SS-Obersturmführer Radif – who was at the time in custody in connection with the escape of Jewish prisoners from the Sonderkommando 1005 site at Fort IX in Kaunas– “to report to your superiors the careless manner in which you told me about your Kommando 1005 B, even giving me concrete figures.” Schell sought to pressure Radif into retracting his testimony that Schell had disclosed an unspecified incident involving homosexual conduct. In his reply, the Commander of the Security Police in Kaunas stated that “I will in any case hold SS-Obersturmführer Radif accountable in this matter, although I would note that the confidential matter you refer to has long been generally known and has even been described in detail in illegal Lithuanian propaganda leaflets”. The defensive tone of the response – the Security Police refrained from reporting Schell to the legal authorities as this “could have unforeseeable consequences” – underscores the sensitivity of the information.
So what makes these documents particularly interesting is the tension they reveal: on the one hand, Sonderkommando 1005 was an operation surrounded by extreme secrecy; on the other, fragments of its purpose – exhumation and destruction of bodies – were leaking beyond strictly controlled channels.
See also:
Kaunas Security Police Report: “Jewish bones are being burned” at Fort IX
Eichmann’s Letter to Himmler on Sonderkommando 1005 at Fort Kauen: “Avoid Insight into the Sonderkommando’s Operation”
Thanks to skepticforum poster Reaktori for pointing out the document in the LCVA files.
Document
Oblt. Willy B. Schell
Spitzinghaus bei Schliersee
Post Neuhaus
Spitzinghaus, 21.1.44
Lieber Rudi!
Heute bekam ich eine Vorladung zum Kriegsgericht nach Augsburg! Auf Befragen, was man von mir will, wurde mir lediglich eine Andeutung gemacht betreffs Sylvester in Kauen. Nach langem Überlegen kam ich endlich darauf um was es sich handeln könnte. Ich muss schon sagen lieber Rudi, dass ich von Dir was anderes erwartet hätte, als dass Du mich vor ein Kriegsgericht zerrst. Ich habe in 9 Jahren Dienstzeit mit dieser Behörde nichts zu tun gehabt. Ich soll dort also als Zeuge auftreten, als Zeuge gegen einen Menschen mit dem ich Freundschaft geschlossen habe. Hier hört die Freundschaft auf, wirst Du mir nun zu entgegnen wissen, vielleicht gehen hier unsere Anschauungen auseinander. Du weisst so gut wie ich um was es sich handelt. Was Dich bewegt Dich in diese Angelegenheit zu mischen, weiss ich nicht, vielleicht ist es Deine Dienstauffassung oder Pflicht, vielleicht ist es aber auch was anderes? Ich könnte mir lebhaft vorstellen, dass Du Deine gegenwärtige Lage dadurch zu verbessern suchst? Sei es wie es sei, ich sage Dir als Dein früherer Freund dazu folgendes: Dass diese Sache nun einmal passiert ist stimmt, denn ich bin nicht der Mensch, der Gerüchte in die Welt setzt. Dass ich Dich ins Vertrauen gezogen habe tut mir zeitlebens leid. Ich pflege das, was man mir im Vertrauen sagt für mich zu behalten und nicht auszutratschen, oder gar persönliche Vorteile daraus zu ziehen, womöglich noch dann, wenn ein anderer dadurch ins Unglück kommt, andernfalls bin ich das Vertrauen nicht wert. Um deutlicher zu werden, ich hätte es ja auch als meine Pflicht halten können, Deiner vorgesetzten Dienststelle darüber Meldung zu machen, in welch leichtfertiger Weise Du mir von Deinem Kommando ; 1005 B erzählt hast und mir sogar mit greifbaren Zahlen gekommen bist. Es tut mir leid, wenn ich Dir dies heute vorhalten muss, aber Du zwingst mich ja dazu. Wenn das der Dank ist, dass ich für Dich und jene Dienststelle in Kauen zu jeder Tag und Nachtzeit bereit war, dann tut es mir sehr leid. Du hast nun also diesen Stein ins Rollen gebracht. Gut dann musst allerdings auch die Konsequenzen daraus ziehen. Ich habe nach Augsburg gemeldet, dass ich augenblicklich unabkömmlich bin, da ich das Skiheim des General der Kampfflieger soeben als Lehrgangsleiter übernommen habe und bat um Verzögerung des Termins. Ich erhielt zur Antwort, dass die Sache dem Feldgericht in München überwiesen wird, damit ich kürzeren Weg hätte. Ich kann also jeden Tag erneut eine Vorladung bekommen. Auf juristischem Gebiet bin ich nunmal ein Laie, ich werde zunächst das Gericht fragen was geschieht, wenn ich die Aussage verweigere? Werde ich als Offizier gezwungen, gut dann werde ich in Gottesnamen darüber berichten. Als zweites und das muss Dir klar sein, werde ich gezwungen darüber Meldung erstatten, was ich von Dir über Deine oben angeführte Sache weiss. Mir ist dieser Mensch so gut Freund gewesen wie Du, wenn Du mich zwingst ihn unglücklich zu machen, was habe ich Grund Dich zu schützen. Ich stehe zu einem einmal gegebenen Wort. Dass dieser Mensch, vielleicht im Trunk sich zu etwas hinreissen liess, was ihm sicher zeitlebens leid tut, ist bedauerlich, ich habe daraus lediglich meine Konsequenzen gezogen und mich von ihm getrennt. Dass ich derartige Leute genau so wie sittlich gefährliche Menschen verabscheue, darfst Du mir glauben, trotzdem will ich mich nicht als deren Richter aufspielen, zumal, wenn ich selbst vor meiner eigenen Türe genügend zu kehren hätte. Wie gesagt, ich muss es völlig Dir überlassen, was Du zu tun gedenkst, ich weiss nun, dass es mehr als gefährlich ist Dir mit irgend welchen Vorschlägen zu kommen, denn sicherlich werden auch diese sogleich zu den Akten gelegt und zu Protokoll genommen. Leider bin ich darin zu anständig um gleichfalls antworten zu können. Mag es mir nun als Verschleierung ausgelegt werden, oder als sonst was, ich mache Dir einen und gleichzeitig den letzten Vorschlag: Du hast die Möglichkeit nach München zu schreiben und kannst angeben, dass Du Dich im Namen des Oberleutn. geirrt hast, dass derselbe sich noch, meinetwegen, in Kauen befindet und Du die Sache an Ort und Stelle verfolgen wirst. Hilft das nicht gut, dann tue ich als Soldat meine Pflicht und gebe darüber Auskunft, was man von mir wissen will. Aber ich glaube, es wäre für beide Teile vernünftiger sich zu einigen. Vielleicht vertrete ich damit eine völlig falsche Ansicht, aber wie gesagt, ich habe noch niemals mit Gerichten zu tun gehabt und bin eben darin ein Laie.
Falls Du mir auf diesen Brief etwas zu antworten hast, dann bitte recht bald, bevor die Vorladung des Feldgerichts in München kommt. Ich bitte lediglich um Benachrichtigung ob Du einverstanden bist oder nicht, bzw. was Du zu tun gedenkst. Rein persönlich breche ich hiermit meine freundschaftlichen Beziehungen zu Dir ab, weil ich Dich meines Vertrauens nicht mehr für würdig halte. Ich bedauere auf das lebhafteste jede Minute die ich mit Dir vergeudet habe. Trotz alledem hoffe und wünsche ich für Dich, dass Deine Angelegenheit im Guten und ohne Folgen für Dich ausgehen möge.
Heil Hitler
Schell
Oberleutnant.
Heinrich Schmitz
Hauptsturmführer
beim Kommandeur der
Sicherheitspolizei
und des SD Litauen
Kauen
Kauen, den 2. Februar 1944
Sehr geehrter Herr Oberleutnant Schell!
Der SS-Obersturmführer Radif hat Ihr Schreiben vom 21.1.1944 auf dem Dienstwege vorgelegt. Im Einvernehmen mit meinem Kommandeur teile ich Ihnen dazu folgendes mit:Wenn Sie auf Grund einer Meldung des SS-Obersturmführers Radif als Zeuge vor ein Gericht der Wehrmacht geladen werden, sind Sie damit nicht vor ein Kriegsgericht gezerrt. Eine Zeugenaussage auf Grund des von Ihnen Radif mitgeteilten Sachverhaltes kann Ihnen in keinem Falle abträglich sein. Es dürfte Ihnen doch hinreichend bekannt sein, dass gerade die Dienststelle des Kommandeurs der Sicherheitspolizei und des SD – Litauen – in Kauen Ihnen auf Grund Ihrer wiederholten wirksamen Unterstützung und Ihrer stetigen Einsatzbereitschaft ganz besonders verbunden ist und keinesfalls gewillt ist, Ihnen persönlich aus irgendwelchem Sensationsbedürfnis oder sonstigen Gründen Unannehmlichkeiten zu bereiten. Sie müssten sich aber darüber im klaren sein, dass jeder SS-Angehörige und jeder Angehörige der Sicherheitspolizei und des SD auf Grund seines Diensteides verpflichtet ist, über jede ehrenrührige Handlung, die zu seiner Kenntnis gelangt, Meldung zu erstatten. Als ehrenrührig ist aber der von Ihnen mitgeteilte Sachverhalt anzusehen. Sollten Sie hierüber anderer Anschauung sein, so hätten Sie eben niemand gegenüber etwas äussern dürfen. Es kommt hinzu, dass Sie Radif gegenüber eine dahingehende Andeutung gemacht haben, dass es sich um einen höheren Führer der Partei handele. Es ist Ihnen auch selbst bekannt, dass von Seiten der höchsten Parteiführung aus ganz besonderer Wert auf die Reinhaltung der Partei und ihrer Gliederungen von homosexuellen Elementen gelegt wird. Der gleiche Standpunkt wird, wie ebenfalls hinreichend bekannt ist, bei der Wehrmacht vertreten und zum Gegenstand immer wiederkehrender Belehrungen der Truppe gemacht.
Der Vorwurf, der SS-Obersturmführer Radif habe Ihre Mitteilung weitergegeben, um daraus persönliche Vorteile zu ziehen, wird von Ihnen zu unrecht erhoben. Radif kann durch keinerlei Meldung eine andere Beurteilung seiner Angelegenheit herbeiführen, weil dem untersuchenden SS- und Polizeigericht noch nicht einmal die Tatsache einer derartigen Meldung bekannt wird. Im übrigen habe ich nicht die geringste Veranlassung, dem SS-Obersturmführer Radif auch nur im entferntesten eine derartige Absicht zuzumuten. Radif ist ein einfacher und bescheidener Mann, der noch niemals dadurch aufgefallen ist, dass er sich irgendwie wichtig machen wollte. Ich kann Ihnen dazu persönlich mitteilen, dass ich erst anlässlich der gegen Radif eingeleiteten Untersuchung erfahren habe, dass Radif in der Kampfzeit der Ostmark 19 Monate für seine politische Überzeugung in österreichischen Gefängnissen zugebracht hat.
Ich kann leider nicht umhin, Ihnen meine Verwunderung darüber auszusprechen, dass Sie dem SS-Obersturmführer Radif unverblümt eine Anzeige wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses und damit die Zufügung eines Übels in Aussicht stellen, um ihn auf diesem Wege zu einer pflichtwidrigen und falschen Aussage zu verleiten. Wenn ich auch in keiner Weise geneigt bin, die Vertrauensseligkeit des SS-Obersturmführers Radif zu billigen, so ist dennoch Tatsache, dass Sie auf Grund wiederholter Zusammenarbeit mit der Sicherheitspolizei und des damals zweifellos begründeten Vertrauens laufend zu Dingen herangezogen wurden, die an sich schon geheimen Charakter hatten. Ich werde übrigens so wie so in dieser Angelegenheit noch den SS-Obersturmführer Radif zur Verantwortung ziehen, wobei ich jedoch bemerke, dass die von Ihnen angezogene geheime Sache bereits seit langer Zeit allgemein bekannt und sogar durch illegale litauische Hetzschriften bis in alle Einzelheiten geschildert worden ist. Mein Kommandeur hat Ihren Brief vom 21.1.
Ich möchte indess nicht den Eindruck erwecken, als wenn es meine Sache wäre, SS-Obersturmführer Radif verteidigen zu wollen, falls er, wie von Ihnen behauptet, seine Geheimhaltungspflicht verletzt hat. SS-Obersturmführer Radif wird sich dieserhalb zu verantworten haben, wobei ihn erwiesenermassen auch die Tatsache nicht entschuldigt, dass die Angelegenheit auf anderem Wege irgendwie bekannt geworden ist.eingehend mit mir besprochen und wir sind uns darüber klar geworden, dass eine Übersendung Ihres Schreibens an das Feldgericht in München unabsehbare Folgen haben könnte. Ich habe mich daher im Einvernehmen mit meinem Kommandeur lediglich auf Grund Ihrer unzweifelhaften Verdienste als Soldat in diesem Kriege und unter Würdigung Ihrer tatkräftigen und bedingungslosen Unterstützung, die Sie meiner Dienststelle während Ihres gesamten Aufenthaltes in Litauen haben zuteil werden lassen, entschlossen, an Sie persönlich zu schreiben und Ihnen unseren Standpunkt mitzuteilen, ohne in irgendeiner Form auf Ihre Zumutungen an SS-Obersturmführer Radif und in Verbindung mit der in Aussichtstellung einer Anzeige wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses einzugehen.
Ich möchte ausdrücklich betonen, dass dieser Brief keinesfalls den Zweck verfolgt, Sie in irgendeiner Form zu beeinflussen. Sollten Sie es für Ihre Pflicht halten, bei Ihrer Vernehmung vor dem Feldgericht in München auf dienstliche Verfehlungen des SS-Obersturmführers Radif einzugehen, so habe ich dafür volles Verständnis. Ich habe auch nicht an der Tatsache Anstoss genommen, dass Sie dem Radif diese Meldung in Aussicht stellen, sondern daran, dass Sie Radif mit einer Anzeige drohen, um ihn dazu zu verleiten, vor einem Gericht eine falsche Angabe zu machen, ein Verhalten, dessen Unmöglichkeit Sie bei ruhiger Überlegung selbst einsehen werden.Ich stelle nochmals fest, dass ich aus Ihrem Schreiben in keinem Falle aus den angegebenen Gründen irgendeine Konsequenz zu ziehen gedenke, zumal ich zu Ihren Gunsten annehme, dass der Brief in grösster Erregung verfasst ist.
Ich begrüsse Sie mit den besten Wünschen für Ihre Zukunft und
Heil Hitler![Unterschrift]
SS-Hauptsturmführer.
signed Neugebauer
SS-O-Stf.
Oblt. W.B. Schell
Spitzinghaus bei Schliersee
Skiheim, General der Kampfflieger
Den 21. Febr. 44
Sehr geehrter Herr Obersturmführer Neugebauer!
Ihren Brief vom 12. Febr. habe ich heute erhalten und ich möchte denselben auch sogleich beantworten. Zunächst bedanke ich mich herzlich bei Ihnen für Ihr Verständnis und Ihr Entgegenkommen.
Sie dürfen versichert sein, dass es niemand mehr leid tut als mir, wenn es zu Zerwürfnissen oder Missverständnissen zwischen mir und Obersturmführer Radif gekommen ist. Nachdem mir diese Schweinerei ausgerechnet am 1. Neujahrstage passierte, können Sie vielleicht mitfühlen, dass ich einigermassen erschüttert war, zumal es sich um einen Menschen handelte, den ich glaubte in- und auswendig zu kennen, auf Grund einer monatelangen Freundschaft. Als ich Radif, am Tage meiner Verabschiedung aufsuchte, und er mich fragte, wie ich Sylvester erlebt habe, habe ich ihm natürlich auch davon erzählt. Mich persönlich mutete es zunächst sehr komisch an, dass er sofort darauf einhakte und sogleich den Namen des Betreffenden wissen wollte. Sie dürfen nicht vergessen, dass mich doch viele Stunden der Kameradschaft und Freundschaft mit demselben verbunden hatten. Als ich dann wenige Tage später eine Vorladung zum Feldgericht bekam, musste ich doch annehmen, dass Radif die Sache gemeldet hatte. Nachdem nun mehrere Tage vergangen waren und ich Zeit zum Überlegen hatte, war es mir völlig klar geworden, dass ich die Sache ohnehin zu melden hatte. Ich hatte weder die Absicht die Sache zu verschleiern oder gar durch eine Nichtmeldung zu unterstützen, aber es ärgerte mich, dass gerade Radif die Sache gemeldet hatte, es ist dabei völlig gleichgültig, ob er es gemeldet hatte oder jemand anders, dem er davon erzählte. Meinerseits machte ich nun den Fehler, dass ich ihm ohne gross zu überlegen sofort schrieb. Dass ich zunächst die Absicht hatte auch gegen Radif etwas vorzubringen gebe ich zu, aber ich hatte niemals die Absicht ihn zu einer falschen Aussage vor Gericht zu verführen, entweder bin ich da falsch verstanden worden oder es ist mir falsch ausgelegt worden. Ich bat ihn in meinem Schreiben von der Sache abzusehen und machte ihm dummerweise auch noch einen Vorschlag, wie dies eventuell möglich wäre. Ich sehe ein, dass das unvorsichtig war und mir dies auch zur Last gelegt werden kann. Ich bitte darum vielmals um Entschuldigung, aber dies geschah wiederum nur, weil ich es mir nicht überlegte und ich zunächst auf Radif sehr böse war.
Vor knapp 8 Tagen war ich erneut beim Feldgericht in München und habe die Aussagen gemacht die verlangt wurden. Von meinem Vorhaben, auch über Radif etwas vorzubringen, habe ich keinen Gebrauch gemacht, weil ich inzwischen eingesehen habe, dass es Blödsinn wäre.
Ich darf wohl annehmen, dass Sie Herr Obersturmführer die Sache bearbeiten, und Sie somit auch den Inhalt meines Schreibens an Radif kennen? Ganz zu schweigen, dass der Betreffende um den es sich handelte, sich eines Verbrechens schuldig machte, verband mich doch mit ihm bis dahin eine gute Kameradschaft und ich hatte keinen Grund diese sofort in Feindschaft umzukehrn. So sehr mir dieser Mensch ans Herz gewachsen war, so sehr war mir auch klar geworden, dass ich ihn gerade darum vielleicht erst recht zu melden hatte, denn wenn ihm geholfen werden sollte, dann nur durch eine Anzeige, dass er entweder ausgemerzt oder endgültig kuriert wird.
Ich habe noch niemals auf die Verdienste gepocht, die ich vielleicht beim Kauner S.D. hatte, umsomehr tat es mir leid, dass ich nun plötzlich mit demselben Diverenzen hatte. Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, dass ich mich und meine Soldaten in den Dienst der allgemeinen Sache stellte, auch wenn ich es nicht nötig gehabt hätte, denn schliesslich hatte ich andere Aufgaben.
Ich habe meinerseits nur den einen Wunsch, dass meine Angelegenheit so rasch als möglich bereinigt ist und ich mit dem Feldgericht nichts mehr zu tun habe, denn es ist für mich nicht angenehm, vor diesem, wenn auch als Zeuge, zu stehen.
Wenn ich also Ihrem Schreiben entnehmen darf, dass die Angelegenheit meines Briefes an Radif erledigt ist, dann bin ich Ihnen dankbar, ich werde auch meinerseits Radif in keiner Weise erwähnen. Inzwischen wird Ihnen ja auch mein Bericht vom Feldgericht in München zugesandt worden sein, so dass Sie wissen um wen es sich handelt?
Für Ihre Bemühungen in meiner Sache und Ihre freundlichen Wünsche für meine Person meinen herzlichsten Dank. Auch ich wünsche Ihnen persönlich alles Gute und grüsse Sie mit
Heil Hitler!
[Unterschrift]
Oblt. und Lehrgangsleiter
First Lieutenant Willy B. Schell
Spitzinghaus near Schliersee
Post Neuhaus
Spitzinghaus, 21 January 1944
Dear Rudi,
Today I received a summons to a court-martial in Augsburg! When I asked what they wanted from me, I was only given a hint relating to New Year’s Eve in Kaunas. After long reflection, I finally realized what it might be about. I must say, dear Rudi, that I expected something different from you than dragging me before a court-martial. In nine years of service I have had nothing to do with this authority. I am now supposed to appear there as a witness—against a man with whom I had formed a friendship. “This is where friendship ends,” you will now reply; perhaps our views differ here. You know as well as I do what this is about. What moved you to involve yourself in this matter, I do not know—perhaps it is your sense of duty, or perhaps something else? I could easily imagine that you are trying to improve your current situation in this way. Be that as it may, I will say the following to you as your former friend: that this matter did occur is true, for I am not a man who spreads rumors. That I confided in you is something I will regret for the rest of my life. I make it a point to keep to myself what is told to me in confidence, not to gossip about it, nor to draw personal advantage from it—especially not when someone else might thereby come to misfortune; otherwise I would not be worthy of trust.
To be clearer: I could just as well have considered it my duty to report to your superiors the careless manner in which you told me about your Kommando 1005 B, even giving me concrete figures. I regret that I must reproach you with this today, but you leave me no choice. If this is the thanks I receive for always being at your and that office’s disposal in Kaunas, day and night, then I am very sorry. You have now set this stone rolling. Very well—then you must also bear the consequences.
I have informed Augsburg that I am currently indispensable, since I have just taken over the ski lodge of the General of Fighter Pilots as course leader, and I requested a postponement. I was told in reply that the matter would be transferred to the field court in Munich so that I would have a shorter journey. I may therefore receive another summons any day. In legal matters I am a layman; I will first ask the court what happens if I refuse to testify. If, as an officer, I am compelled—then in God’s name I will report on it. Secondly—and this must be clear to you—I will then be forced to report what I know from you about the matter mentioned above. This man was as good a friend to me as you; if you force me to make him unhappy, what reason do I have to protect you? I stand by my word once given. That this man, perhaps under the influence of drink, allowed himself to be carried away into something he will surely regret all his life is unfortunate; I have merely drawn my own conclusions and broken with him. You may believe me when I say that I despise such people just as I do morally dangerous individuals; nevertheless, I do not wish to set myself up as their judge, especially since I have enough to put in order at my own doorstep.
As I said, I must leave it entirely up to you what you intend to do. I now know that it is more than dangerous to make you any kind of suggestion, since these too would surely be immediately placed on file and recorded. Unfortunately, I am too decent to respond in kind. Whether it may be interpreted as evasion or something else, I will make you one final proposal: you have the possibility of writing to Munich and stating that you were mistaken in the name of the first lieutenant, that he is still, say, in Kaunas, and that you will pursue the matter on the spot. If that does not help, then I will, as a soldier, do my duty and give the information requested of me. But I believe it would be more reasonable for both sides to reach an understanding. Perhaps I hold a completely mistaken view, but as I said, I have never dealt with courts and am a layman in such matters.
If you have anything to reply to this letter, then please do so as soon as possible, before the summons from the field court in Munich arrives. I ask only to be informed whether you agree or not, or what you intend to do. On a personal level, I hereby break off my friendly relations with you, because I no longer consider you worthy of my trust. I deeply regret every minute I spent with you. Nevertheless, I hope and wish that your matter may turn out well and without consequences for you.
Heil Hitler
Schell
First Lieutenant
Heinrich Schmitz
SS-Hauptsturmführer
with the Commander of the Security Police and the SD Lithuania
Kaunas
Kaunas, 2 February 1944
Dear First Lieutenant Schell,
SS-Obersturmführer Radif has submitted your letter of 21 January 1944 through official channels. In agreement with my commander, I inform you as follows:
If, on the basis of a report by SS-Obersturmführer Radif, you are summoned as a witness before a Wehrmacht court, this does not mean that you are being dragged before a court-martial. A witness statement based on the facts you communicated to Radif cannot in any way be detrimental to you. It should be sufficiently well known to you that the office of the Commander of the Security Police and the SD—Lithuania—in Kaunas is particularly appreciative of your repeated effective support and your constant readiness for action, and has no intention whatsoever of causing you personal inconvenience out of any desire for sensation or for any other reason.
However, you must be clear that every member of the SS and every member of the Security Police and SD is obliged by his oath of service to report any dishonorable act that comes to his knowledge. The matter you communicated must be regarded as dishonorable. If you hold a different view, then you should not have disclosed it to anyone. In addition, you made an indication to Radif that this concerned a high-ranking Party leader. You are also aware that the highest Party leadership places particular emphasis on keeping the Party and its organizations free of homosexual elements. The same standpoint, as is likewise well known, is upheld within the Wehrmacht and is the subject of repeated instruction to the troops.
Your accusation that SS-Obersturmführer Radif passed on your information in order to gain personal advantage is unfounded. Radif cannot bring about any different assessment of his own case through any report, since even the investigating SS and police court is not informed of the mere existence of such a report. Moreover, I have not the slightest reason to attribute any such intention to SS-Obersturmführer Radif. Radif is a simple and modest man who has never drawn attention to himself by attempting to make himself important. I can also inform you personally that it was only in connection with the investigation initiated against Radif that I learned he had spent 19 months in Austrian prisons during the struggle period in the Ostmark for his political convictions.
I cannot refrain from expressing my astonishment that you openly threatened SS-Obersturmführer Radif with a report for breach of official secrecy—and thus the infliction of harm—in order to induce him to make an improper and false statement. Although I am in no way inclined to approve of SS-Obersturmführer Radif’s trusting nature, it is nevertheless a fact that, on the basis of your repeated cooperation with the Security Police and the then undoubtedly justified trust, you were continually involved in matters that in themselves already had a confidential character. I will in any case hold SS-Obersturmführer Radif accountable in this matter, although I would note that the confidential matter you refer to has long been generally known and has even been described in detail in illegal Lithuanian propaganda leaflets.
I do not wish, however, to give the impression that it is my role to defend SS-Obersturmführer Radif should he, as you claim, have violated his duty of secrecy. SS-Obersturmführer Radif will have to answer for this, and the fact that the matter may have become known by other means does not excuse him. My commander has discussed your letter of 21 January with me in detail, and we have come to the conclusion that forwarding your letter to the field court in Munich could have unforeseeable consequences. Therefore, in agreement with my commander, and solely in view of your undeniable merits as a soldier in this war and in recognition of your energetic and unconditional support for my office throughout your entire stay in Lithuania, I have decided to write to you personally and to inform you of our position, without in any way addressing your demands toward SS-Obersturmführer Radif or your threat of a report for breach of official secrecy.
I wish to emphasize explicitly that this letter is in no way intended to influence you. Should you consider it your duty, during your examination before the field court in Munich, to address official misconduct by SS-Obersturmführer Radif, I fully understand. My objection was not to the fact that you announced to Radif that you might report him, but rather that you threatened him with a report in order to induce him to make a false statement before a court—a course of action whose impossibility you will yourself recognize upon calm reflection.
I again state that I do not intend to draw any consequences from your letter for the reasons stated, especially as I assume in your favor that it was written in a state of great agitation.
I greet you with my best wishes for your future and
Heil Hitler!
[Signature]
SS-Hauptsturmführer.
First Lieutenant W.B. Schell
Spitzinghaus near Schliersee
Ski lodge, General of Fighter Pilots
21 February 1944
DearSS-Obersturmführer Neugebauer,
I received your letter of 12 February today and would like to respond immediately. First of all, I would like to thank you sincerely for your understanding and your accommodating attitude.
You may be assured that no one regrets more than I do that disagreements or misunderstandings arose between myself and First Lieutenant Radif. Since this whole unpleasant affair happened to me of all times on New Year’s Day, you may understand that I was somewhat shaken—especially since it concerned a person whom I believed I knew inside and out, based on months of friendship. When I visited Radif on the day of my departure and he asked me how I had spent New Year’s Eve, I naturally told him about it. Personally, I found it rather odd that he immediately seized upon it and at once wanted to know the name of the person involved. You must not forget that many hours of comradeship and friendship connected me with that individual. When, a few days later, I received a summons to the field court, I had to assume that Radif had reported the matter. After several days had passed and I had time to reflect, it became completely clear to me that I had to report the matter anyway. I had neither the intention of concealing it nor of supporting it through non-reporting, but I was annoyed that Radif of all people had reported it—it makes no difference whether he reported it himself or someone else to whom he mentioned it.
For my part, I made the mistake of writing to him immediately without much thought. I admit that at first I intended to bring something forward against Radif as well, but I never had the intention of inducing him to make a false statement in court; either I have been misunderstood in this regard or it has been misinterpreted. In my letter I asked him to refrain from pursuing the matter and, foolishly, even made him a suggestion as to how this might possibly be achieved. I realize that this was careless and can be held against me. I sincerely apologize for this, but it happened simply because I did not think it through and was initially very angry with Radif.
About eight days ago I appeared again before the field court in Munich and made the statements that were required. I did not follow through on my intention to bring anything forward against Radif, because I have since realized that it would have been nonsense.
I assume, Herr Obersturmführer, that you are handling the matter and are therefore aware of the contents of my letter to Radif? Quite apart from the fact that the person concerned was guilty of an offense, I had until then enjoyed a good comradeship with him and had no reason to turn that immediately into hostility. As much as this man had grown dear to me, it also became clear to me that precisely for that reason I might have had to report him—because if he was to be helped at all, it could only be through a report, so that he might either be eliminated or definitively cured.
I have never insisted on any merits I may have had with the Kaunas SD; all the more did it pain me that I suddenly found myself at odds with them. For me it was self-evident that I and my soldiers placed ourselves at the service of the general cause, even though I did not have to, as I had other duties.
For my part, I have only one wish—that my matter be resolved as quickly as possible and that I have nothing further to do with the field court, for it is not pleasant for me to stand before it, even as a witness.
If I may therefore conclude from your letter that the matter of my letter to Radif has been settled, then I am grateful to you. For my part, I will also refrain from mentioning Radif in any way. In the meantime, my report from the field court in Munich will presumably have been sent to you, so that you know who is involved?
My heartfelt thanks for your efforts in my case and for your kind wishes for my person. I also wish you personally all the best and greet you with
Heil Hitler!
[Signature]
First Lieutenant and course leader
Archivial reference:
Lithuanian Central State Archives (LCVA), R-1399-1/64
The correspondence is cited in Alex Faitelson, The Truth and Nothing But the Truth: Jewish Resistance in Lithuania, p. 257