Introduction
On 29 January 1942, the office of the Reichsführer-SS forwarded to the Reich Ministry for the Occupied Eastern Territories a proposed version of guidelines for the “Jewish question.”
The guideline states that “the Jewish question must be solved generally for all of Europe” and that “measures in the occupied eastern territories which serve the final solution of the Jewish question and thereby the elimination of Jewry are in no way to be hindered”. The guidelines added that, especially in the occupied eastern territories “a fairly rapid solution of the Jewish question is to be sought”. They also remarked that “any “actions by the local civilian population against the Jews” were not “to be prevented”.
Document
Der Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern
S II A 2 Nr. 87 II/42-176-
Bitte in der Antwort vorstehendes Geschäftszeichen und Datum angeben.
Berlin SW 11, den 29. Januar 1942
Prinz-Albrecht-Str. 8
Fernsprecher 12 00 40
Schnellbrief
Abschrift.
Betrifft: Braune Mappe für die Reichskommissariate Ostland und Ukraine.
Vorgang: Hiesiges Schreiben vom 10.1.42-S II A 2 Nr. 295VIII/41.
Im Nachgang zu Ziffer 10 meines Schreiben vom 10.1.1942 übersende ich die von mir für erforderlich gehaltene Fassung der Richtlinien über die Behandlung der Judenfrage mit der Bitte um weitere Veranlassung.
An den Herrn Reichsminister für die besetzten Ostgebiete in Berlin.
Abschrift
Herrn Dr. Wetzel
im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete
Berlin
Rauchstrasse 17
mit der Bitte um Kenntnisnahme.
Im Auftrage:
gez. Dr. Bilfinger
Beglaubigt:
[Unterschrift]
Kanzleiangestellte
Schn
Unreiner Entwurf von Ende Dezember 1941
Richtlinien
über die Behandlung der Judenfrage.
- Allgemeines.
Alle Massnahmen zur Judenfrage in den besetzten Ostgebieten sind unter dem Gesichtspunkt zu treffen, dass die Judenfrage für ganz Europa generell gelöst werden muss. Dabei sind in den besetzten Ostgebieten derartige Massnahmen, die der endgültigen Lösung der Judenfrage und damit der Ausscheidung des Judentums dienen, in keiner Weise zu behindern. Gerade in den besetzten Ostgebieten ist eine recht baldige Lösung der Judenfrage anzustreben. Voraussetzung ist, dass die betreffenden Massnahmen von Seiten der zuständigen Stellen veranlasst werden. Ein etwaiges Vorgehen der örtlichen Zivilbevölkerung gegen die Juden ist jedoch dann nicht zu hindern, wenn sich dies mit dem Gebot der Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung im Rücken der kämpfenden Truppe vereinbaren lässt.
- Bevölkerungsstand.
Das Judentum stellt in den einzelnen Reichskommissariaten und innerhalb dieser in den Generalkommissariaten einen sehr verschieden starken Anteil an der Gesamtbevölkerung. Zum Beispiel leben in Weissruthenien und der Ukraine Millionen von Juden, die hier seit Generationen ansässig sind. In den zentralen Gebieten der UdSSR. dagegen sind die Juden zum weitaus grösseren Teil erst in der bolschewistischen Zeit zugezogen. Eine besondere Gruppe stellen die im Gefolge der Roten Armee 1939 und 1940 nach Ostpolen, der Westukraine, West-Weissruthenien, den baltischen Ländern, Bessarabien und Buchenland eingedrungenen Sowjetjuden dar. Zu diesen Juden treten nunmehr noch die deutschen Juden, die aus dem Reich in die besetzten Ostgebiete transportiert werden und mit der Verlegung ihres gewöhnlichen Aufenthalts in die besetzten Ostgebiete gemäss § 2 der 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25.11.1941 – RG Bl.I S.722 – die deutsche Staatsangehörigkeit verlieren.
Die noch vorhandene jüdische Bevölkerung ist durch Einführung der Meldepflicht zu erfassen. Alle Juden sind durch sichtbare Abzeichen (gelber Judenstern) zu kennzeichnen.
- Absonderung aus der übrigen Bevölkerung.
Solange Massnahmen, die der Ausscheidung des Judentums dienen, noch nicht vorgenommen sind, sind die vorhandenen Juden streng von der übrigen Bevölkerung abzusondern. Dabei ist zu beachten, dass die Juden in der Sowjetunion, und zwar besonders in den Kerngebieten der Sowjetunion, seit der bolschewistischen Revolution es häufig versucht haben, sich zu tarnen. Zahlreiche Juden haben ihr mosaisches Bekenntnis aufgegeben und russische Familien-, Vor- und Vatersnamen angenommen. Es ist anzuordnen, dass alle zu Lebzeiten des Meldepflichtigen oder, soweit ihm bekannt, bei seinen Vorfahren erfolgten Namensänderungen von Juden zu melden und rückgängig zu machen sind. Das gleiche gilt für frühere Austritte aus der jüdischen Religionsgemeinschaft und Übertritte (häufig mehrfache) zu anderen Bekenntnissen. Jüdische Tarnungsversuche werden in den Reichskommissariaten Ostland und Ukraine, wo der grössere Teil der Juden seit Generationen ansässig ist, leichter zu verhindern sein, als in den anderen Reichskommissariaten. Sowjetisches Archivmaterial ist, soweit erhalten, heranzuziehen. Auch dürfte es zweckmässig sein, nach alten russischen Pässen zu forschen, da in den Pässen gewöhnlich ein Konfessionswechsel vermerkt war.
Die Freizügigkeit ist für alle Juden sofort aufzuheben. Eine Überführung in Ghettos ist durchzuführen, die in Weissruthenien und in der Ukraine durch das Vorhandensein zahlreicher mehr oder weniger geschlossener jüdischer Niederlassungen erleichtert wird. Diesen Ghettos kann unter Aufsicht eine jüdische Selbstverwaltung mit jüdischer Polizei gegeben werden. Die Bewachung der Grenzen zwischen dem Ghetto und der Aussenwelt ist Sache der Polizei.
Eine weitere Vermischung mit der übrigen Bevölkerung, z.B. durch Eheschliessung, geschäftliche Verbindungen u.dgl. ist zu vermeiden und zu verhindern.
- Wirtschaftliche Betätigung.
Die Massnahmen, die der Ausscheidung des Judentums dienen, sind ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Belange durchzuführen.
Solange derartige Massnahmen noch nicht angeordnet sind, ist eine Betätigung der Juden in öffentlichen Berufen und im Handel ausgeschlossen. Die Juden sind unter Aufsicht zu produktiver, weitgehend körperlicher Arbeit heranzuziehen (Strassen-, Eisenbahn-, Kanalbau, Landwirtschaft usw.). Jüdische Fabrikarbeiter, Handarbeiter und Heimarbeiter können ihrer Beschäftigung weiter nachgehen; dabei ist jedoch eine Zusammenfassung in rein jüdische Betriebe unter Aufsicht der Zivilverwaltung anzustreben. Wo jüdische Landwirtschaftsbetriebe (z.B. Kollektive) vorhanden sein sollten, haben diese unter straffer Aufsicht ihre Arbeit fortzusetzen.
Das gesamte jüdische Vermögen ist anzumelden. Vermögensverschiebungen der Juden sind zu verhindern.
- Kulturelle Betätigung.
Eine kulturelle Betätigung der Juden innerhalb der übrigen Bevölkerung kommt nicht in Betracht. Eine jüdische Presse ist nicht zuzulassen. Das Schächten ist zu verbieten.
The Reichsführer-SS and Chief of the German Police in the Reich Ministry of the Interior
S II A 2 No. 87 II/42-176-
Please indicate the above file reference number and date in your reply.
Berlin SW 11, 29 January 1942
Prinz-Albrecht-Str. 8
Telephone 12 00 40
Express Letter
Copy.
Subject: Brown Folder for the Reich Commissariats Ostland and Ukraine.
Reference: Local letter dated 10 January 1942 – S II A 2 No. 295VIII/41.
Further to item 10 of my letter of 10 January 1942, I am sending the version of the guidelines concerning the treatment of the Jewish question which I consider necessary, with the request for further action.
To the Reich Minister for the Occupied Eastern Territories in Berlin.
Copy
To Dr. Wetzel
at the Reich Ministry for the Occupied Eastern Territories
Berlin
Rauchstrasse 17
with the request for acknowledgment.
By order:
signed Dr. Bilfinger
Certified:
[signature]
Clerical employee
Schn [initials]
Impure draft from the end of December 1941
Guidelines on the Treatment of the Jewish Question.
- General.
All measures concerning the Jewish question in the occupied eastern territories are to be undertaken from the standpoint that the Jewish question must be solved generally for all of Europe. In this regard, measures in the occupied eastern territories which serve the final solution of the Jewish question and thereby the elimination of Jewry are in no way to be hindered. Particularly in the occupied eastern territories, a fairly rapid solution of the Jewish question is to be sought. The prerequisite is that the relevant measures be initiated by the competent authorities. Any actions by the local civilian population against the Jews, however, are not to be prevented insofar as they can be reconciled with the requirement of maintaining peace and order in the rear areas of the fighting troops.
2. Population Situation.
Jewry constitutes a very uneven proportion of the total population in the individual Reich Commissariats and, within these, in the General Commissariats. For example, millions of Jews live in White Ruthenia and Ukraine, where they have been settled for generations. In the central territories of the USSR, by contrast, the far greater part of the Jews only moved there during the Bolshevik period. A special group consists of the Soviet Jews who followed in the wake of the Red Army in 1939 and 1940 into eastern Poland, western Ukraine, western White Ruthenia, the Baltic countries, Bessarabia, and Bukovina. To these Jews are now added the German Jews who are being transported from the Reich into the occupied eastern territories and who, upon transferring their habitual residence into the occupied eastern territories in accordance with § 2 of the 11th Decree to the Reich Citizenship Law of 25 November 1941 – Reich Law Gazette I, p. 722 – lose German citizenship.
The remaining Jewish population is to be registered through the introduction of compulsory registration. All Jews are to be identified by visible insignia (yellow Jewish star).
3. Separation from the Rest of the Population.
As long as measures serving the elimination of Jewry have not yet been carried out, the existing Jews are to be strictly segregated from the rest of the population. In this regard, it must be noted that Jews in the Soviet Union, especially in the core territories of the Soviet Union, have frequently attempted since the Bolshevik Revolution to conceal themselves. Numerous Jews have abandoned their Mosaic faith and adopted Russian family names, first names, and patronymics. It is to be ordered that all name changes undertaken by Jews during the lifetime of the person subject to registration, or insofar as known, by their ancestors, are to be reported and reversed. The same applies to previous withdrawals from the Jewish religious community and conversions (often multiple) to other faiths. Jewish attempts at concealment will be easier to prevent in the Reich Commissariats Ostland and Ukraine, where the greater part of the Jews have been settled for generations, than in the other Reich Commissariats. Soviet archival material is to be consulted insofar as it has been preserved. It may also be advisable to search for old Russian passports, since changes of religious affiliation were usually noted in those passports.
Freedom of movement for all Jews is to be abolished immediately. Transfer into ghettos is to be carried out, which in White Ruthenia and Ukraine is facilitated by the existence of numerous more or less closed Jewish settlements. These ghettos may be granted a Jewish self-administration with a Jewish police force under supervision. Guarding the boundaries between the ghetto and the outside world is the responsibility of the police.
Any further mixing with the rest of the population, for example through marriage, business connections, and the like, is to be avoided and prevented.
4. Economic Activity.
The measures serving the elimination of Jewry are to be carried out without regard to economic considerations.
As long as such measures have not yet been ordered, Jews are excluded from employment in public professions and trade. Jews are to be assigned under supervision to productive, largely physical labor (road construction, railway construction, canal construction, agriculture, etc.). Jewish factory workers, manual laborers, and home workers may continue their employment; however, concentration into exclusively Jewish enterprises under the supervision of the civil administration is to be sought. Where Jewish agricultural enterprises (e.g., collectives) should exist, they are to continue their work under strict supervision.
All Jewish property is to be declared. Transfers of Jewish assets are to be prevented.
5. Cultural Activity.
Cultural activity by Jews within the rest of the population is out of the question. A Jewish press is not to be permitted. Ritual slaughtering is to be prohibited.
Archivial Reference:
Bundesarchiv (BArch), R 6/74, p. 94 – 97.