Introduction
On April 19, 1943, SS statistician Richard Korherr submitted a shortened version of his Korherr Report – the SS’s statistical account of the “Final Solution of the European Jewish Question” – to the personal staff of Reichsführer-SS Heinrich Himmler, for presentation to Adolf Hitler. In the report, Korherr estimated that “the reduction of Jewry in Europe from 1937 to the beginning of 1943 is to be estimated at 4½ million” and noted that “only part of the deaths of Soviet-Russian Jews in the occupied eastern territories could be recorded, while those in the rest of European Russia and at the front are not included at all.” He concluded that “European Jewry since 1933 has probably lost almost half of its total population,” of which “only about half has flowed to other continents.”
In his cover letter of April 19, 1943, Korherr admitted the difficulty of producing a “clear balance” because the figures varied by hundreds of thousands and classifications—Jews in labor camps, ghettos, or mixed marriages—were incomplete.
”
Document
Der Inspekteur für Statistik Berlin W 35, 19.4.1943
Tgb.Nr. 48/43 geh.Rs. Potsdamer Straße 61
Geheime Reichssache
SS-Obersturmbannführer Dr. R. Brandt
Pers.Stab Reichsführer-SS
Berlin
Lieber Pg. Brandt!
Mein kürzlicher Bericht über die Endlösung der Judenfrage mit 16 Seiten Umfang war von mir zur Berichtigung an den RF erstellt worden, wie mir der RF mündlich befohlen hatte.
Gemäß dem neuen Befehl des Reichsführers vom 1.4.1943 an den Chef der Sicherheitspolizei und des SD zur Erstellung eines gekürzten Berichtes zur Vorlage an den Führer mit eindeutiger Bilanz habe ich vor einigen Tagen dem Reichssicherheitshauptamt den in Abschrift beifolgenden Bericht von 6 1/2 Seiten zur Einarbeitung in seinen Gesamtbericht zugeleitet.
Ich darf dazu, falls der RF nicht ganz einverstanden sein sollte, bemerken: Eine eindeutige Bilanz für einen festen Zeitraum für das ganze heutige Reich läßt sich trotz allen vergossenen Schweißes nicht erstellen. Ich habe darum neben einer Gesamtbilanz mit wechselndem Anfangszeitpunkt verschiedene Teilbilanzen gebracht. Die vorhandenen verschiedenen Anfangs- und Schlußzahlen differieren z.T. um hunderttausende von Juden. Die vorhandenen Juden lassen sich auch mit den vorhandenen Unterlagen nicht, wie es wünschenswert wäre, nach Juden im Arbeitseinsatz, in KL’s, im Altersghetto, in privilegierter Mischehe teilen, sodaß der verbleibende Rest sofort für die Evakuierung zur Verfügung steht. Sowohl beim Arbeitseinsatz wie in den KL’s lassen die bisherigen Unterlagen keine zuverlässigen Schlüsse bezüglich der räumlichen Zugehörigkeit der Juden (von der Staatsangehörigkeit abgesehen) zu. Darum mußte ich hier eine eindeutige Bilanz vermeiden, doch geben die Zahlen an sich einen brauchbaren Anhaltspunkt.
1 Anlage g.Rs.
Heil Hitler!
[Unterschrift Korherrr]
Geheime Reichssache
DIE ENDLÖSUNG DER EUROPÄISCHEN JUDENFRAGE
Statistischer Bericht
Notwendige Vorbemerkung. Judenstatistiken sind immer mit Vorbehalt aufzunehmen, da bei der zahlenmäßigen Erfassung des Judentums stets mit besonderen Fehlern zu rechnen ist. Fehlerquellen liegen u. a. im Wesen und Entwicklung des Judentums, seiner Abgrenzung, seiner mehrtausendjährigen ruhelosen Wanderschaft, den zahllosen Aufnahmen und Austritten, den Angleichungsbestrebungen, der Vermischung mit den Wirtsvölkern, vor allem aber im Bemühen des Juden, sich der Erfassung zu entziehen.
Schließlich hat die Statistik teils als Notbehelf, teils wegen der weitgehenden Übereinstimmung zwischen jüdischer Rasse und jüdischem Glauben, teils im konfessionellen Denken des letzten Jahrhunderts befangen, bis zuletzt die Juden nicht nach ihrer Rasse, sondern nach ihrem religiösen Bekenntnis erfaßt. Die Erfassung der Juden nach der Rasse gestaltet sich auch – vor allem durch die äußerliche Verkleinerung des Judentums infolge Austritt, Übertritt, weiter zurückliegender rassischer Vermischung und durch Tarnung – sehr schwierig, wie die mißlungene Erfassung der Rassejuden in Österreich 1923 und die Erhebung der Voll-, Halb- und Vierteljuden bei der deutschen Volkszählung 1939 zeigen. Jüdische Bestandszahlen sind im allgemeinen nur als Mindestzahlen zu werten, wobei der Fehler mit geringerem jüdischem Blutanteil immer größer wird.
Fast unüberwindliche Schwierigkeiten bereitet die Erstellung einer einigermaßen zuverlässigen Statistik über Bestand und Bewegung des Judentums in den gesamten Ostgebieten seit Beginn des zweiten Weltkrieges, der unkontrollierbare Massen von Juden in Bewegung gebracht hat.
BILANZ DES JUDENTUMS
Welt. Die Gesamtzahl der Juden auf der Erde schätzte man im letzten Jahrzehnt auf 15 bis 18 Millionen, zuweilen auch auf weit über 20 Millionen. Das Statistische Reichsamt gab für das Jahr 1937 die Zahl mit 17 Millionen an.
Europa. Davon leben um 1937 etwa 10,3 Millionen (60 vH) in Europa und 5,1 Millionen (30 vH) in Amerika. Um 1880 hatte der europäische Anteil noch 88 vH, der amerikanische erst gut 3 vH betragen. In Europa häufen bzw. häuften sich die Juden vor allem in den nunmehr von Deutschland besetzten früheren polnisch-russischen und baltischen Gebieten zwischen Ostsee und Finnischem Meerbusen und dem Schwarzen und Asowschen Meer, daneben in den Handelsmittelpunkten Mittel- und Westeuropas, im Rheingebiet und an den Küsten des Mittelmeers.
Deutschland. Die Judenbilanz des Reiches ist an die verschieden großen Zeiträume seit der jeweiligen Machtübernahme in seinen Teilgebieten gebunden. Erst von diesen Zeitpunkten an beginnt das Abfluten der Juden in großem Stil. Vorher gab es in manchen Gebieten sogar eine Zunahme der Juden als Folge des Abflusses aus Gebieten, die zum Reiche kamen.
Zur Zeit der jeweiligen Machtübernahme und am 31.12.1942 betrug die Zahl der Juden in
| Gebiet | Zeitpunkt der Machtübernahme | Zahl der Juden vor der Machtübernahme | am 31.12.1942 |
| Altreich | 30.1.1933 | 561 000 | 51 327 |
| Sudetenland | 29.9.1938 | 30 000 | |
| Ostmark | 13.3.1938 | 220 000 | 8 102 |
| Böhmen und Mähren | 16.3.1939 | 118 000 | 15 550 |
| Ostgebiete (mit Bialystok) | Sept.1939 (Juni 1940) | 790 000 | 233 210 |
| Generalgouv. (mit Lemberg) | Sept.1939 (Juni 1940) | 2 000 000 | 297 914 |
| Zusammen | 3 719 000 | 606 103 |
Zu den Zahlen vor der jeweiligen Machtübernahme ist ergänzend zu bemerken, daß sie z. T. ineinanderfließen. So strömte der Großteil der 30 000 Juden des Sudetenlandes (27 000 Glaubensjuden) vor der Vereinigung mit dem Reich ohne Überschreitung einer Staatsgrenze und ohne Vermögensverluste rasch ins Protektorat ab, ist also in den Zahlen für Böhmen und Mähren von 1939 zu einem Teil wieder enthalten. Das Sudetenland zählte am 17.5.1939 nur mehr 2 649 Juden.
Für die Zeit kurz vor dem zweiten Weltkrieg läßt sich die Zahl der Juden im Reichsgebiet mit Protektorat und Generalgouvernement für einen festen Zeitpunkt angeben bzw. abschätzen. Sie beträgt um den 17.5.1939 in
| Zum Vergleich am 31.12.1942 | ||
| Altreich | 233 973 | 51 327 |
| Sudetenland | 2 649 | |
| Ostmark | 94 270 | 8 102 |
| Böhmen und Mähren | 110 000 | 15 550 |
| Ostgebiete | rd. 790 000 | 233 210 |
| Generalgouv. | rd. 2 000 000 | 297 914 |
| Zusammen | 3 120 892 | 606 103 |
Altreich und Ostmark hatten bis zum Kriege weit über die Hälfte ihres -zivilisierten und sterilen- Judenbestandes bereits abgegeben, vor allem durch Auswanderung, während im Osten der Zusammenbruch der für die Zukunft gefährlichen fruchtbaren Judenmassen überwiegend erst im Kriege und besonders seit den Evakuierungsmaßnahmen von 1942 deutlich wird.
Das Judentum hat sich damit von 1933 bis 1943 innerhalb des erweiterten Reichsgebietes, also im zeitlich-räumlichen Bereich der nationalsozialistischen Staatsführung, um rund 3,1 Millionen Köpfe vermindert. Im Altreich sank der Bestand auf fast 1/12, in der Ostmark gar auf 1/27, im Generalgouvernement und in Böhmen und Mähren auf etwa 1/7, in den Ostgebieten auf 1/3 bis 1/4.
Auswanderung, Sterbeüberschuß und Evakuierung. Dieser Rückgang ist das Ergebnis des Zusammenwirkens von Auswanderung, Sterbeüberschuß und Evakuierung, wozu noch geringfügige sonstige Veränderungen kommen (z. B. genehmigte Austritte, Anerkennung als Mischling I. Grades, Neuerfassung, Karteibereinigung), worüber die folgende Tabelle Aufschluß gibt:
Abnahme (–) oder Zunahme der Juden durch
| Gebiet | Zeitraum von … bis 31.12.1942 | Auswanderung | Sterbeüberschuss | Evakuierung | Sonst. Veränderg. | Insgesamt |
| Altreich (mit Sudetenland) | 30.1.33 (29.9.38) | –382 534 | –61 193 | –100 516 | +4 570 | –539 673 |
| Ostmark | 13.3.38 | –149 124 | –14 509 | –47 555 | +710 | –211 898 |
| Böhmen und Mähren | 16.3.39 | –25 699 | –7 074 | –69 677 | – | –102 790 |
| Ostgebiete (mit Bialystok) | Sept.39 (Juni 40) | –334 673 | <– | –222 117 | – | –556 790 |
| Generalgouv. (mit Lemberg) | Sept.39 (Juni 40) | –427 920 | <– | –1 274 166 | – | –1 702 086 |
| Zusammen | –1 402 726 | <– | –1 714 031 | +3 860 | –3 112 897 |
Die Bilanz für Altreich, Ostmark und Böhmen und Mähren zusammen sieht folgendermaßen aus:
Anfangsbestand der Juden bei jeweil. Machtübernahme: 929 000
Veränderungen durch:
Auswanderung – 557 357
Sterbeüberschuß – 82 776
Evakuierung – 217 748
Neuerfassung usw. + 3 860
-854 021
Bestand am 31.12.1942: 74 979
Der außerordentliche Sterbeüberschuß der Juden z.B. im Altreich ist infolge der abnormalen Überalterung und Lebensschwäche des Judentums ebenso auf Geburtenarmut wie auf hohe Sterblichkeit zurückzuführen: im 1. Viertel 1943 zählte man 22 Geburten, 1 113 Sterbefälle. Die Zahlen über Auswanderung und Sterbeüberschuß (Kriegswirren!) der Ostgebiete und des Generalgouvernements sind nicht nachprüfbar. Sie sind das berechnete Ergebnis aus Anfangs- und Endbestand und Evakuierungen der Juden.
Vom 1.1.1943 bis 31.3.1943 fand aus dem Reichsgebiet mit Böhmen und Mähren, neuen Ostgebieten und Bezirk Bialystok wieder die Evakuierung von 113 015 Juden nach dem Osten statt, ebenso die Wohnsitzverlegung von 8 025 Juden ins Altersghetto Theresienstadt. Die Judenzahl in Deutschland, namentlich in den Ostgebieten, wurde dadurch neuerdings stark herabgesetzt.
Mischehen. Die Zahl der Juden im Reichsgebiet von 1939 enthält am 31.12.1942 einen nicht geringen Teil von Juden in Mischehen:
Gebiet Juden am 31.12.42 davon in Mischehe Rest
Altreich 51 327 16 760 34 567
Ostmark 8 102 4 803 3 299
Böhmen und Mähren 15 550 6 211 9 339
Zusammen 74 979 27 774 47 205
Die Judenzahl des Altreichs hat sich inzwischen weiter von 51 327 am 31.12.1942 auf 31 910 am 1.4.1943 vermindert. Unter diesen 31 910 Juden leben über die Hälfte, nämlich 16 668 in Mischehe, davon 12 117 in privilegierter und 4 551 in nicht privilegierter Mischehe. Außerdem dürfte in der Aufstellung noch eine größere Anzahl von Juden mitgezählt sein, die schließlich als unauffindbar abgeschrieben werden müssen, wie es auch bei jedem Einwohnerkataster immer wieder vorkommt. Der Bestand der Juden im alten Reichsgebiet (ohne Ostgebiete) nähert sich seinem Ende.
Arbeitseinsatz. Von den im Reichsgebiet lebenden Juden befanden sich zu Beginn des Jahres 1943 Die Bilanz für Altreich, Ostmark und Böhmen und Mähren zusammen sieht folgendermaßen aus:
Anfangsbestand der Juden bei jeweil. Machtübernahme: 929 000
Veränderungen durch:
Auswanderung – 557 357
Sterbeüberschuß – 82 776
Evakuierung – 217 748
Neuerfassung usw. + 3 860
-854 021
Bestand am 31.12.1942: 74 979
Der außerordentliche Sterbeüberschuß der Juden z.B. im Altreich ist infolge der abnormalen Überalterung und Lebensschwäche des Judentums ebenso auf Geburtenarmut wie auf hohe Sterblichkeit zurückzuführen: im 1. Viertel 1943 zählte man 22 Geburten, 1 113 Sterbefälle. Die Zahlen über Auswanderung und Sterbeüberschuß (Kriegswirren!) der Ostgebiete und des Generalgouvernements sind nicht nachprüfbar. Sie sind das berechnete Ergebnis aus Anfangs- und Endbestand und Evakuierungen der Juden.
Vom 1.1.1943 bis 31.3.1943 fand aus dem Reichsgebiet mit Böhmen und Mähren, neuen Ostgebieten und Bezirk Bialystok wieder die Evakuierung von 113 015 Juden nach dem Osten statt, ebenso die Wohnsitzverlegung von 8 025 Juden ins Altersghetto Theresienstadt. Die Judenzahl in Deutschland, namentlich in den Ostgebieten, wurde dadurch neuerdings stark herabgesetzt.
Mischehen. Die Zahl der Juden im Reichsgebiet von 1939 enthält am 31.12.1942 einen nicht geringen Teil von Juden in Mischehen:
Gebiet Juden am 31.12.42 davon in Mischehe Rest
Altreich 51 327 16 760 34 567
Ostmark 8 102 4 803 3 299
Böhmen und Mähren 15 550 6 211 9 339
Zusammen 74 979 27 774 47 205
Die Judenzahl des Altreichs hat sich inzwischen weiter von 51 327 am 31.12.1942 auf 31 910 am 1.4.1943 vermindert. Unter diesen 31 910 Juden leben über die Hälfte, nämlich 16 668 in Mischehe, davon 12 117 in privilegierter und 4 551 in nicht privilegierter Mischehe. Außerdem dürfte in der Aufstellung noch eine größere Anzahl von Juden mitgezählt sein, die schließlich als unauffindbar abgeschrieben werden müssen, wie es auch bei jedem Einwohnerkataster immer wieder vorkommt. Der Bestand der Juden im alten Reichsgebiet (ohne Ostgebiete) nähert sich seinem Ende.
Arbeitseinsatz. Von den im Reichsgebiet lebenden Juden befanden sich zu Beginn des Jahres 1943 Die Bilanz für Altreich, Ostmark und Böhmen und Mähren zusammen sieht folgendermaßen aus:
Anfangsbestand der Juden bei jeweil. Machtübernahme: 929 000
Veränderungen durch:
Auswanderung – 557 357
Sterbeüberschuß – 82 776
Evakuierung – 217 748
Neuerfassung usw. + 3 860
-854 021
Bestand am 31.12.1942: 74 979
Der außerordentliche Sterbeüberschuß der Juden z.B. im Altreich ist infolge der abnormalen Überalterung und Lebensschwäche des Judentums ebenso auf Geburtenarmut wie auf hohe Sterblichkeit zurückzuführen: im 1. Viertel 1943 zählte man 22 Geburten, 1 113 Sterbefälle. Die Zahlen über Auswanderung und Sterbeüberschuß (Kriegswirren!) der Ostgebiete und des Generalgouvernements sind nicht nachprüfbar. Sie sind das berechnete Ergebnis aus Anfangs- und Endbestand und Evakuierungen der Juden.
Vom 1.1.1943 bis 31.3.1943 fand aus dem Reichsgebiet mit Böhmen und Mähren, neuen Ostgebieten und Bezirk Bialystok wieder die Evakuierung von 113 015 Juden nach dem Osten statt, ebenso die Wohnsitzverlegung von 8 025 Juden ins Altersghetto Theresienstadt. Die Judenzahl in Deutschland, namentlich in den Ostgebieten, wurde dadurch neuerdings stark herabgesetzt.
Mischehen. Die Zahl der Juden im Reichsgebiet von 1939 enthält am 31.12.1942 einen nicht geringen Teil von Juden in Mischehen:
Gebiet Juden am 31.12.42 davon in Mischehe Rest
Altreich 51 327 16 760 34 567
Ostmark 8 102 4 803 3 299
Böhmen und Mähren 15 550 6 211 9 339
Zusammen 74 979 27 774 47 205
Die Judenzahl des Altreichs hat sich inzwischen weiter von 51 327 am 31.12.1942 auf 31 910 am 1.4.1943 vermindert. Unter diesen 31 910 Juden leben über die Hälfte, nämlich 16 668 in Mischehe, davon 12 117 in privilegierter und 4 551 in nicht privilegierter Mischehe. Außerdem dürfte in der Aufstellung noch eine größere Anzahl von Juden mitgezählt sein, die schließlich als unauffindbar abgeschrieben werden müssen, wie es auch bei jedem Einwohnerkataster immer wieder vorkommt. Der Bestand der Juden im alten Reichsgebiet (ohne Ostgebiete) nähert sich seinem Ende.
Arbeitseinsatz. Von den im Reichsgebiet lebenden Juden befanden sich zu Beginn des Jahres 1943 Die Bilanz für Altreich, Ostmark und Böhmen und Mähren zusammen sieht folgendermaßen aus:
Anfangsbestand der Juden bei jeweil. Machtübernahme: 929 000
Veränderungen durch:
Auswanderung – 557 357
Sterbeüberschuß – 82 776
Evakuierung – 217 748
Neuerfassung usw. + 3 860
-854 021
Bestand am 31.12.1942: 74 979
Der außerordentliche Sterbeüberschuß der Juden z.B. im Altreich ist infolge der abnormalen Überalterung und Lebensschwäche des Judentums ebenso auf Geburtenarmut wie auf hohe Sterblichkeit zurückzuführen: im 1. Viertel 1943 zählte man 22 Geburten, 1 113 Sterbefälle. Die Zahlen über Auswanderung und Sterbeüberschuß (Kriegswirren!) der Ostgebiete und des Generalgouvernements sind nicht nachprüfbar. Sie sind das berechnete Ergebnis aus Anfangs- und Endbestand und Evakuierungen der Juden.
Vom 1.1.1943 bis 31.3.1943 fand aus dem Reichsgebiet mit Böhmen und Mähren, neuen Ostgebieten und Bezirk Bialystok wieder die Evakuierung von 113 015 Juden nach dem Osten statt, ebenso die Wohnsitzverlegung von 8 025 Juden ins Altersghetto Theresienstadt. Die Judenzahl in Deutschland, namentlich in den Ostgebieten, wurde dadurch neuerdings stark herabgesetzt.
Mischehen. Die Zahl der Juden im Reichsgebiet von 1939 enthält am 31.12.1942 einen nicht geringen Teil von Juden in Mischehen:
Gebiet Juden am 31.12.42 davon in Mischehe Rest
Altreich 51 327 16 760 34 567
Ostmark 8 102 4 803 3 299
Böhmen und Mähren 15 550 6 211 9 339
Zusammen 74 979 27 774 47 205
Die Judenzahl des Altreichs hat sich inzwischen weiter von 51 327 am 31.12.1942 auf 31 910 am 1.4.1943 vermindert. Unter diesen 31 910 Juden leben über die Hälfte, nämlich 16 668 in Mischehe, davon 12 117 in privilegierter und 4 551 in nicht privilegierter Mischehe. Außerdem dürfte in der Aufstellung noch eine größere Anzahl von Juden mitgezählt sein, die schließlich als unauffindbar abgeschrieben werden müssen, wie es auch bei jedem Einwohnerkataster immer wieder vorkommt. Der Bestand der Juden im alten Reichsgebiet (ohne Ostgebiete) nähert sich seinem Ende.
Arbeitseinsatz. Von den im Reichsgebiet lebenden Juden befanden sich zu Beginn des Jahres 1943 21 659 in kriegswichtigem Arbeitseinsatz. Dazu kommen in kriegswichtigem Arbeitseinsatz 18 435 sowjetrussische Juden im Inspekteur-Bereich Königsberg, 50 570 staatenlose und ausländische Juden im Lagereinsatz Schmelt (Breslau) und 95 112 ehem. polnische Juden im Ghetto- und Lagereinsatz im Inspekteur-Bereich Posen.
Konzentrationslager. In Konzentrationslagern befanden sich am 31.12.1942 insgesamt 9 127 Juden, in Justizvollzugsanstalten 458 Juden. Die Belegstärke der Konzentrationslager mit Juden war folgende:
Lublin 7 342 Mauthausen/Gusen 79
Auschwitz 1 412 Sachsenhausen 46
Buchenwald 227 Stutthof 18
Ravensbrück 3
Altersghetto. Im einzigen Altersghetto Theresienstadt gab es Anfang 1943 zusammen 49 392 Juden, die von den Bestandszahlen abgeschrieben sind.
Evakuierung aus anderen europäischen Ländern. Im deutschen Macht- und Einflußbereich außerhalb der Reichsgrenzen fanden folgende Evakuierungen von Juden statt:
| Länder | bis 31.12.42 | im 1. Vierteljahr 1943 |
| Frankreich (soweit vor dem 10.11.42 besetzt) | 41 911 | 7 995 |
| Niederlande | 38 571 | 13 832 |
| Belgien | 16 886 | |
| Norwegen | 532 | 158 |
| Griechenland | – | 13 435 |
| Slowakei | 56 691 | 854 |
| Kroatien | 4 927 | – |
| Bulgarien | – | 11 364 |
| Außerdem in den russischen Gebieten einschl. der früheren baltischen Länder seit Beginn des Ostfeldzuges | 633 300 | – |
| Zusammen | 792 818 | 49 254 |
Europäische Judenbilanz. Die Verminderung des Judentums in Europa dürfte damit bereits an 4 Millionen Köpfe betragen. Höhere Judenbestände zählen auf dem europ. Kontinent (neben Rußland mit etwa 4 Mill.) nur noch Ungarn (750 000) und Rumänien (302 000), vielleicht noch Frankreich. Berücksichtigt man neben dem angeführten Rückgang die jüdische Auswanderung und den jüdischen Sterbeüberschuß in den außerdeutschen Staaten Mittel- und Westeuropas, aber auch die unbedingt vorkommenden Doppelzählungen infolge der jüdischen Fluktuation, dann dürfte die Verminderung des Judentums in Europa von 1937 bis Anfang 1943 auf 4 ½ Millionen zu schätzen sein. Dabei konnte von den Todesfällen der sowjet-russischen Juden in den besetzten Ostgebieten nur ein Teil erfaßt werden, während diejenigen im übrigen europäischen Rußland und an der Front überhaupt nicht enthalten sind. Dazu kommen die Wanderungsströme der Juden innerhalb Rußlands in den asiatischen Bereich hinüber. Auch der Wanderungsstrom der Juden aus den europäischen Ländern außerhalb des deutschen Einflußbereichs nach Übersee ist eine weitgehend unbekannte Größe.
Insgesamt dürfte das europäische Judentum seit 1933, also im ersten Jahrzehnt der nationalsozialistischen Machtentfaltung, bald die Hälfte seines Bestandes verloren haben. Davon ist wieder nur etwa die Hälfte, also ein Viertel des europäischen Gesamtbestandes von 1937, den anderen Erdteilen zugeflossen.
The Inspector for Statistics Berlin W 35, 19 April 1943
Ref. No. 48/43 secret matter Potsdamer Strasse 61
Secret Reich Matter
To
SS-Obersturmbannführer Dr. R. Brandt
Personal Staff of the Reichsführer-SS
Berlin
Dear Party Comrade Brandt,
My recent report on the Final Solution of the Jewish Question, comprising 16 pages, was prepared by me for submission to the Reichsführer, as he had orally instructed me.
In accordance with the new order of the Reichsführer dated 1 April 1943 to the Chief of the Security Police and the SD for the preparation of an abbreviated report to be presented to the Führer with a clear summary, I sent to the Reich Security Main Office a few days ago the attached report of six and a half pages for incorporation into its overall report.
I should like to note, in case the Reichsführer should not be entirely satisfied, that a clear balance for a fixed period covering the entire present Reich cannot be drawn up despite all the effort expended. I have therefore included, alongside an overall balance with varying starting dates, several partial balances. The available initial and final figures differ in some cases by hundreds of thousands of Jews.
The available data on the Jews also do not make it possible, even with the documents at hand, to classify them as would be desirable—namely into Jews in labor deployment, in concentration camps, in old-age ghettos, or in privileged mixed marriages—so that the remaining remainder could be immediately designated as available for evacuation.
Both in the case of labor deployment and in the concentration camps, the existing records do not permit reliable conclusions regarding the territorial affiliation of the Jews (apart from their nationality). Therefore, I had to avoid giving a single clear balance here, although the figures themselves provide a useful indication.
1 enclosure (classified).
Heil Hitler!
[signature]
Secret Reich Matter
THE FINAL SOLUTION OF THE EUROPEAN JEWISH QUESTION
Statistical Report
Necessary preliminary remark.
Jewish statistics must always be taken with reservation, since when recording the numerical size of Jewry one must always reckon with particular errors. Sources of error lie, among other things, in the nature and development of Jewry, in its definition, its restless wandering over thousands of years, the countless conversions and withdrawals, its efforts at assimilation, its mixing with the host peoples, but above all in the effort of the Jew to evade registration.
Finally, statistics—partly as an expedient, partly because of the far-reaching correspondence between Jewish race and Jewish faith, and partly due to the confessional mindset of the last century—have up to the end recorded Jews not according to their race, but according to their religious affiliation. Recording Jews by race proves to be very difficult—particularly due to the outward diminishment of Jewry as a result of withdrawals, conversions, earlier racial mixing, and disguise—as shown by the failed registration of racial Jews in Austria in 1923 and the survey of full, half, and quarter Jews in the German census of 1939. Jewish population figures are generally to be regarded only as minimum numbers, with the margin of error increasing the smaller the proportion of Jewish blood.
Almost insurmountable difficulties are posed by the task of compiling a somewhat reliable statistic of the number and movement of Jews in all the eastern territories since the beginning of the Second World War, which has set uncontrollable masses of Jews in motion.
BALANCE OF JEWRY
World. The total number of Jews in the world was, in the last decade, estimated at 15 to 18 million, sometimes even well over 20 million. The Reich Statistical Office gave the figure for the year 1937 as 17 million.
Europe. Of these, around 10.3 million (60%) lived in Europe in about 1937, and 5.1 million (30%) in America. Around 1880 the European share had still been 88%, and the American barely over 3%. In Europe the Jews are—or were—concentrated above all in the formerly Polish-Russian and Baltic territories now occupied by Germany, between the Baltic Sea and the Gulf of Finland and the Black and Azov Seas; in addition, in the commercial centers of Central and Western Europe, in the Rhine region, and along the coasts of the Mediterranean.
Germany. The Jewish balance of the Reich is tied to the various time periods since the respective assumption of power in its territorial components. Only from these points in time does the large-scale outflow of Jews begin. Before that, in some areas there was even an increase in the number of Jews as a result of inflow from territories newly incorporated into the Reich.
At the time of the respective assumption of power and on 31 December 1942, the number of Jews amounted to:
| Date of assumption of power | Number of Jews before assumption of power | as of 31 Dec. 1942 | |
| Old Reich | 30 Jan. 1933 | 561,000 | 51,327 |
| Sudetenland | 29 Sept. 1938 | 30,000 | – |
| Ostmark (Austria) | 13 Mar. 1938 | 220,000 | 8,102 |
| Bohemia and Moravia | 16 Mar. 1939 | 118,000 | 15,550 |
| Eastern Territories (incl. Białystok) | Sept. 1939 (June 1940) | 790,000 | 233,210 |
| General Government (incl. Lwów/Lemberg) | Sept. 1939 (June 1940) | 2,000,000 | 297,914 |
| Total | 3,719,000 | 606,103 |
As a supplementary remark regarding the figures from before each respective assumption of power, it should be noted that they partly overlap. Thus, the majority of the 30,000 Jews of the Sudetenland (27,000 professing Jews) moved rapidly into the Protectorate before its union with the Reich—without crossing a state border and without loss of property—and are therefore partly included again in the figures for Bohemia and Moravia from 1939. On 17 May 1939, the Sudetenland counted only 2,649 Jews.
For the period shortly before the Second World War, it is possible to specify or estimate the number of Jews in the territory of the Reich including the Protectorate and the General Government for a fixed date. Around 17 May 1939, it amounted to
| For comparison as of 31 December 1942 | ||
| Old Reich | 233,973 | 51,327 |
| Sudetenland | 2,649 | |
| Ostmark (Austria) | 94,270 | 8,102 |
| Bohemia and Moravia | 110,000 | 15,550 |
| Eastern Territories | approx. 790,000 | 233,210 |
| General Government | approx. 2,000,000 | 297,914 |
| Total | 3,120,892 | 606,103 |
The Old Reich and the Ostmark had, before the war, already given up well over half of their — civilized and sterile — Jewish population, primarily through emigration, whereas in the East the collapse of the fertile Jewish masses — dangerous for the future — became apparent predominantly only during the war and especially since the evacuation measures of 1942.
Thus, from 1933 to 1943, Jewry within the expanded territory of the Reich — that is, within the temporal and spatial sphere of National Socialist governance — decreased by around 3.1 million persons. In the Old Reich the population fell to almost one-twelfth, in the Ostmark even to one-twenty-seventh, in the General Government and in Bohemia and Moravia to about one-seventh, and in the Eastern Territories to between one-third and one-quarter.
Emigration, surplus of deaths, and evacuation.
This decline is the result of the combined effect of emigration, surplus of deaths, and evacuation, to which minor additional changes must be added (for example, approved withdrawals from the community, recognition as persons of mixed blood of the first degree, new registrations, or file adjustments), about which the following table provides information:
Decrease (–) or increase of Jews through
| Territory | Period from … to 31 Dec. 1942 | Emigration | Surplus of deaths | Evacuation | Other changes | Total |
| Old Reich (incl. Sudetenland) | 30 Jan. 1933 (29 Sept. 1938) | –382,534 | –61,193 | –100,516 | +4,570 | –539,673 |
| Ostmark (Austria) | 13 Mar. 1938 | –149,124 | –14,509 | –47,555 | +710 | –211,898 |
| Bohemia and Moravia | 16 Mar. 1939 | –25,699 | –7,074 | –69,677 | – | –102,790 |
| Eastern Territories (incl. Białystok) | Sept. 1939 (June 1940) | –334,673 | <– | –222,117 | – | –556,790 |
| General Government (incl. Lwów/Lemberg) | Sept. 1939 (June 1940) | –427,920 | <– | –1,274,166 | – | –1,702,086 |
| Total | –1,402,726 | <– | –1,714,031 | +3,860 | –3,112,897 |
The balance for the Old Reich, Ostmark, and Bohemia and Moravia together is as follows:
Initial number of Jews at the time of each assumption of power: 929,000
Changes through:
Emigration –557,357
Surplus of deaths –82,776
Evacuation –217,748
New registrations, etc. +3,860
Total: –854,021
Number as of 31 December 1942: 74,979
The extraordinary surplus of deaths among the Jews, for example in the Old Reich, is due to the abnormal aging and weakness of Jewry, as well as to the low birth rate and high mortality. In the first quarter of 1943, 22 births and 1,113 deaths were recorded. The figures for emigration and surplus of deaths (war conditions!) in the Eastern Territories and the General Government are not verifiable; they represent the calculated result derived from the initial and final numbers and the evacuations of the Jews.
From 1 January 1943 to 31 March 1943, a further 113,015 Jews were evacuated to the East from the territory of the Reich including Bohemia and Moravia, the new Eastern Territories, and the Białystok District, as well as 8,025 Jews transferred to the old-age ghetto of Theresienstadt. The number of Jews in Germany—particularly in the Eastern Territories—was thereby again considerably reduced.
Mixed marriages.
The number of Jews in the territory of the Reich as of 31 December 1942 includes a not insignificant proportion of Jews in mixed marriages:
Territory Jews as of 31 Dec. 1942 of whom in mixed marriage Remaining
Old Reich 51,327 16,760 34,567
Ostmark 8,102 4,803 3,299
Bohemia and Moravia 15,550 6,211 9,339
Total 74,979 27,774 47,205
The number of Jews in the Old Reich has meanwhile decreased further from 51,327 on 31 December 1942 to 31,910 on 1 April 1943. Among these 31,910 Jews, more than half—namely 16,668—live in mixed marriages, of whom 12,117 are in privileged and 4,551 in non-privileged mixed marriages. Moreover, it is probable that the list still includes a considerable number of Jews who will eventually have to be written off as untraceable, as happens repeatedly in every population register. The number of Jews in the Old Reich (excluding the Eastern Territories) is thus nearing its end.
Labor deployment.
Of the Jews living in the Reich territory, 21,659 were engaged in war-essential labor at the beginning of 1943. In addition, there were 18,435 Soviet-Russian Jews employed in war-essential labor in the Inspectorate District of Königsberg, 50,570 stateless and foreign Jews in the Schmelt camp system (Breslau), and 95,112 former Polish Jews employed in ghettos and camps in the Inspectorate District of Posen.
Concentration camps.
As of 31 December 1942, a total of 9,127 Jews were held in concentration camps and 458 Jews in penal institutions. The concentration camp populations of Jews were as follows:
Lublin 7,342 Mauthausen/Gusen 79
Auschwitz 1,412 Sachsenhausen 46
Buchenwald 227 Stutthof 18
Ravensbrück 3
Old-age ghetto.
In the only old-age ghetto, Theresienstadt, there were 49,392 Jews at the beginning of 1943, who have been written off from the total figures.
Evacuation from other European countries.
In the German sphere of power and influence outside the borders of the Reich, the following evacuations of Jews took place:
| Country | up to 31 Dec. 1942 | in the 1st quarter of 1943 |
| France (occupied before 10 Nov. 1942) | 41,911 | 7,995 |
| Netherlands | 38,571 | 13,832 |
| Belgium | 16,886 | |
| Norway | 532 | 158 |
| Greece | – | 13,435 |
| Slovakia | 56,691 | 854 |
| Croatia | 4,927 | – |
| Bulgaria | – | 11,364 |
| Additionally, in the Russian territories including the former Baltic countries since the beginning of the Eastern campaign | 633,300 | – |
| Total | 792,818 | 49,254 |
European Jewish Balance.
The reduction of Jewry in Europe may thus already amount to about 4 million persons. Higher Jewish populations on the European continent (besides Russia with about 4 million) are now found only in Hungary (750,000) and Romania (302,000), and perhaps also in France.
If, in addition to the reduction indicated, one also takes into account Jewish emigration and the Jewish surplus of deaths in the non-German states of Central and Western Europe — but also the inevitable double counting resulting from Jewish migration — then the reduction of Jewry in Europe from 1937 to the beginning of 1943 is to be estimated at 4½ million.
In this calculation, only part of the deaths of Soviet-Russian Jews in the occupied eastern territories could be recorded, while those in the rest of European Russia and at the front are not included at all. Added to this are the migratory movements of Jews within Russia into the Asian region. The migration of Jews from European countries outside the German sphere of influence overseas is likewise largely unknown.
Altogether, European Jewry since 1933 — that is, in the first decade of National Socialist rule — has probably lost almost half of its total population. Of this number, only about half again — that is, roughly a quarter of the total European population of 1937 — has flowed to other continents.
Archivial reference:
Bundesarchiv, NS 19/1570, p. 3-10.