Introduction
In October 1958, Wilhelm Boger, a former SS officer known for his role at Auschwitz, was arrested and interrogated by Stuttgart Criminal Police. Over two days, Boger gave a statement about his background, duties at the camp, and the charges brought against him. Boger claimed he was assigned to Auschwitz for “further probation” after being deemed unfit for frontline military service. He served in the camp’s Political Department, dealing with criminal investigations, escape attempts, and intelligence gathering. He admitted to overseeing and participating in “enhanced interrogations” involving beatings and suspension torture – a method prisoners later dubbed the “Boger swing.” Though Boger repeatedly denied involvement in selections or executions, he acknowledged being present during some shootings and described how prisoners unfit for labor were sent to the crematoria for gassing. He confirmed his presence at the Birkenau ramp in to investigate SS theft of prisoner belongings.
Document
STADT STUTTGART
Polizeipräsidium
Kriminalpolizei
Stuttgart, den 8.10.1958
Mörikestr. 20
GZ: 10-K -L-8/2774/58
Dienststelle: 8
Sachbearb.: KK Haug
Nebenstelle: 768
Täter
Wilhelm Boger,
verh. kaufm. Angestellter
geb. 19.12.1906 in Stuttgart-Zuffenhausen
wohnh. Hemmingen Krs. Leonberg,
Schaucherstr. 12
StA.: Deutsch
Vorst.: Angebel. keine
Eltern: Wilhelm Boger und + Frieda, geb. Herz
Eink.: Ca. DM 600.– mtl. brutto
Strafbare Handlung
Verbrechen des Mordes i.S. des § 211 StGB
Tatzeit: 1942 bis 1945
Tatort: Konzentrations-Lg. Auschwitz
Wert: —
Geschädigter: —
Vorläufige Meldung.
Festnahmezeit: 8.10.1958, 14.00 Uhr
Der verh. kaufmännische Angestellte
Wilhelm Boger,
geb. 19.12.1906 in Stuttgart-Zuffenhausen,
wohnh. Hemmingen Krs. Leonberg, Schaucherstr. 12
StA.: Deutsch
Vorstr.: Angebel. keine
Eltern: Wilhelm B. und + Frieda, geb. Herz
Eink.: DM 600.– mtl. brutto
wurde am 8. Okt. 1958, 14.00 Uhr, an seinem Arbeitsplatz bei der Firma Ernst Heinkel A.-G., Zuffenhausen, aufgesucht, wo ihm der vom Amtsgericht Stuttgart erlassene Haftbefehl eröffnet wurde.
Der Beschuldigte wurde daraufhin in die Diensträume der Kriminalpolizei Stuttgart, Dienststelle 8, verbracht und zur Person und Sache gehört.
Dem
Amtsgericht
Stuttgart
unter Vorführung d. Besch. und Vorlage d. Akten d. Staatsanwaltschaft Stuttgart vorgelegt.
Stuttgart, den 9.10.1958
STADT STUTTGART
Polizeipräsidium
Kriminalpolizei
Haug
Kriminal-Kommissar
Anl.:
1 Strafn. Ers.
1 Haftrapport
1 Kostenzettel
Er gab, mit dem Gegenstand der Vernehmung vertraut gemacht und zur Wahrheit ermahnt, folgendes an:
A) Zur Person:
“Ich bin am 19.12.1906 in Stgt.-Zuffenhausen als ältester Sohn der Kaufmannsleute Wilhelm und Frieda, geb. Herr geboren. Ich habe noch einen Bruder und eine Schwester. Die beiden sind noch am Leben. Mein Bruder ist in Ludwigsburg, meine Schwester in Reutlingen verheiratet.
Ich besuchte 9 Jahre die Fangelsbach-Bürgerschule. Im Jahre 1922 legte ich die mittlere Reife ab. Anschließend kam ich 3 Jahre als Lehrling (kaufmänn.) zur Firma Rheinstahl xxx Handelsges. m.b.H. in Stgt.-Feuerbach. Nach Beendigung meiner Lehrzeit war ich kurze Zeit als kaufmännischer Angestellter in meiner Firma und trat im Jahre 1925 oder 1926 als Gewerkschaftsangestellter in den Deutschenaltionalen Handlungsgehilfen-Verband, Landesgeschäftsstelle Stuttgart, ein. Im DHV war ich etwa bis Ende 1926 und trat dann in den “Bund Artam” (freiwilliger Arbeitsdienst auf dem Lande) ein. Ich wurde in dieser Bewegung mit der Gründung meiner Zugehörigkeit zur nationalsozialistischen Jugend in Verbindung. Eine führende Rolle innerhalb dieses Bundes bekleidete ich nicht. Ich wurde, wie jeder andere Artaman, als Saisonlandarbeiter in verschiedenen Artamanenschaften Mittel- und Norddeutschlands eingesetzt. Diese Einrichtung betrachtete ich als Ersatz für den Wehrdienst, den es damals nicht gab.
Ich war etwa 2 Jahre bei dieser Bewegung. Ich begab mich wieder zu meinen Eltern damals und habe weiter meinen erlernten Beruf ausgeübt.
Bis zum Jahre 1932 arbeitete ich u.a. bei der Firma Eisen-Fuchs GmbH, Stuttgart, bei der Fa. Hecker’s Sohn, Eisengroßhdl., in Dresden-Neustadt und zuletzt bei Fa. Hermann Filigister in Friedrichshafen.
Darnach wurde ich, wie so viele in der damaligen schlechten Zeit, arbeitslos und trat im Jahre 1933 (es war der 5. März) bei der Hilfspolizei in Friedrichshafen ein. Anschließend wurde ich zum Sonderkommando der Württembergischen politischen Polizei nach Stuttgart versetzt. Bereits nach 1/4 Jahr wurde ich von dieser Bereitschaftstruppe zur Württ. polit. Polizei abgestellt. Nach dieser Versetzung wurde ich als Kriminalangestellter in den Vollzugsdienst übernommen.
Ende 1935 wurde ich dann zu der neugegründeten Außenstelle Friedrichshafen der Württ. polit. Polizei abgestellt. Leiter war der spätere Kriminaldirektor Engelbrecht. Meine Abstellung nach Friedrichshafen erfolgte wegen meiner Familie, nachdem ich im Jahre 1931 in erster Ehe geheiratet hatte, noch in Friedrichshafen wohnhaft war.
Im Herbst 1936 besuchte ich den Kriminalanwärter-Lehrgang in Stuttgart. Nach Abschluß des Lehrganges wurde ich zum Kriminalsekretär ernannt.
Ich kam wieder zurück zur Außenstelle nach Friedrichshafen. Meine Dienststelle wurde am 1.4.37 von der Geheimen Staatspolizei übernommen.
Ende Okt. oder Anfang Nov. 1939 – es war nach dem Polenfeldzug – erfolgte meine Abkommandierung zu der neugegründeten Staatspolizeistelle Zichenau. Anschließend wurde ich zum Leiter des neu geschaffenen Grenzpolizei-Kommissariats Ostrolenka bestimmt.
Infolge Befehlsverweigerung wurde ich im April oder Mai 1940 des Dienstes enthoben. Nach einer Ehrenhaft bis Weihnachten 1940 im Gestapo-Gefängnis (Geheimes Staatspolizei-Amt) in Berlin war ich ohne dienstliche Beschäftigung bis November 1941. Um diese Zeit wurde mir bei der Gestapo-Stelle Stgt. SS-Oberabschnitt Südwest, eröffnet, daß ich wegen Schädigung des Ansehens der SS zur Frontbewährung zum „verlorenen Haufen“ abgestellt würde.
Im Nov. 1941 erfolgte meine Abstellung nach kurzer Ausbildung zum SS-Polizei-Pionier-Batl. in Dresden. Vor Leningrad wurde ich verwundet. Dies war im März 1942. Nach meiner Genesung kam ich zum Ersatz-Batl. nach Dresden. Bis Mitte Dezember 1942 tat ich als Schirrmeister beim Ersatz-Batl. in Dresden Dienst.
Durch Verfügung des Reichsführers SS von Mitte Dez. 1942 kam ich zur weiteren Bewährung zur Wachmannschaft des Konzentrationslagers Auschwitz. Nach einer gewissen Zugehörigkeit in einer Wachkompanie wurde ich wegen meines Zivilberufes (Kriminalsekretär) der politischen Abteilung Auschwitz zugeteilt, war dort Sachbearbeiter im Referat „Flucht und Diebstahl“. In dieser Eigenschaft war ich bis Ende Januar 1945 tätig, mit einer etwa 1/4-jährlichen Unterbrechung infolge Besuchs eines Führerlehrgangs in Arolsen.
Nach Auflösung des Konz.-Lags. Auschwitz Ende Januar 1945 kam ich ins Konz.-Lag. Nordhausen/Harz. Auch in diesem Lager war ich in gleicher Eigenschaft tätig. Infolge der damaligen Kriegsverhältnisse wurde auch dieses Lager nach einiger Wochen aufgelöst. Ein Häftlingstransport aus dem Konz.-Lag. Nordhausen, mit dem ich noch bis Ravensbrück kam, traf kurz bevor die Russen oder Amerikaner einbrachen, ein.
Der größte Teil der Ravensbrücker Häftlinge wurde dem schwedischen Roten Kreuz übergeben, während die Wachmannschaften nochmals zum Kampfeinsatz kommen sollten. Ich habe mich jedoch rechtzeitig abgesetzt und traf bereits im Mai 1945 in Ludwigsburg bei meinem Vater ein.
In Ludwigsburg hielt ich mich, ohne polizeilich gemeldet zu sein, etwa 3 Wochen auf, wurde aber schließlich doch durch Verrat eines Auschwitzer Häftlings von den Amerikanern festgenommen und ins Interniertenlager gebracht. Nach kurzem Aufenthalt im Interniertenlager erfolgte die Verschubung nach Dachau, von wo die Auslieferung nach Polen erfolgte.
Auf dem Transport nach Polen in der Nacht vom 22./23.11.1946 bin ich in der Nähe von Cham ausgebrochen mit 3 weiteren Gefangenen und begab mich in die Heimat meiner Mutter bei Crailsheim. In den Ortschaften Schmalfelden, Lichtel, Unterdeufstetten u.a. hielt ich mich ohne gültige Personalpapiere und ohne polizeilich gemeldet zu sein, bis Sommer 1949 auf.
Auf Grund eines Ausschreibens der Staatsanwaltschaft Ravensburg wurde ich in Unterreichenrot festgenommen. Dort war ein Verfahren wegen Körperverletzung im Amt gegen mich anhängig. Es handelte sich dabei um ein Wiederaufnahmeverfahren aus dem Jahre 1937. Nach 5-wöchiger Untersuchungshaft wurde ich wieder entlassen.
Nach meiner Entlassung aus der U’Haft habe ich mich in Schmalfelden Krs. Crailsheim polizeilich gemeldet. Meine Personalpapiere wurden mir ordnungsgemäß ausgehändigt. Im Febr. 1951 wurde mein Entnazifizierungsverfahren vor der Hauptspruchkammer Stuttgart durchgeführt. Ich war als Hauptschuldiger angeklagt. Das Verfahren wurde auf Kosten der Staatskasse eingestellt.
Zu meinen persönlichen Verhältnissen möchte ich noch angeben, daß meine 1. Ehe am 28. Febr. 1941 geschieden wurde. Am 24.4.1941 ging ich mit der Marianne Ittner aus Grasseth Krs. Falkenau/Eder (CSR) meine 2. Ehe ein. Dort war auch mein offizieller Wohnsitz bis Kriegsende. Aus erster Ehe hatte ich 3 Jungens. Mein ältester Sohn ist heute 27 Jahre alt und ist Lehrer im Isingen Krs. Balingen. Meine beiden anderen Kinder sind im Jahre 1944 kurz nach der Geburt verstorben. Aus 2. Ehe gingen 3 Töchter im Alter von 18, 15 und 10 Jahren hervor.
Meine 2. Frau verblieb nach meiner Absetzung weiterhin in ihrer Heimat. Im März 1946 erfolgte die Aussiedlung meiner Kinder zusammen mit einen Schwiegereltern, während meine Frau nach achtmonatiger Haft bei den Tschechen im März 1946 nach Bayern ausgesiedelt wurde.
Nach meiner Übersiedlung von Schmalfelden zu meiner Frau nach Niederwetz bei Wetzlar gelang es mir durch Vermittlung meines Bruders, der bei Fa. Heinkel in Stgt.-Zuffenhausen eine Anstellung ausübte. Dies war anfangs Sept. 1950. Zuerst arbeitete ich dort als Hilfsarbeiter, dann als Maschinenarbeiter und seit etwa 2 Jahren als kaufm. Angestellter.
Durch Vermittlung meiner Firma gelang es mir, im Juli 1951 eine Wohnung in Hemmingen zu bekommen. Meine Familie ließ ich um die zweite Hälfte von Nov. 1951 nach Hemmingen nachkommen. Seit dieser Zeit wohnen wir in Hemmingen. Meine Frau ist Buchhalterin beschäftigt bei der Fa. Heinkel beschäftigt. Die beiden Kinder befinden sich noch in der Ausbildung, während die 18-jährige Tochter als Kontoristin bei einer Firma in Feuerbach tätig ist.
Die Vernehmung wurde am 8.10.58, 17.00 Uhr unterbrochen.
Der Besch. wurde ins Polizeigewahrsam verbracht.
Die Vernehmung wurde am 9.10.58, 8.30 Uhr fortgesetzt.
Politische Vergangenheit:
Bereits in meinen frühesten Jugendjahren bekam ich Kontakt mit der Nationalsozialistischen Bewegung und trat im Frühjahr 1922 in die NS-Jugend (später Hitler-Jugend) ein. Der Hitlerjugend gehörte ich bis zu meinem Übertritt in die NSDAP und SA im Sommer 1929 an. Mir wurde infolge meiner langjährige Zugehörigkeit zur HJ das goldene HJ-Abzeichen verliehen. Der NSDAP gehörte ich bis zum Jahre 1945 an. Ich bekleidete weder Rang noch sonst ein Amt.
Im Jahre 1930 befand ich mich aus beruflichen Gründen in Dresden. Zu dieser Zeit wurde die SS dort aufgestellt und es wurden für diese neue Formation alte SA-Kämpfer als Kader dazu bestimmt. Ich trat daraufhin in die Allg. SS ein und gehörte dieser Organisation bis 1945 an; zuletzt war ich im Rang eines SS-Hauptsturmführers der Allg. SS.
Durch meine langjährige Zugehörigkeit zur NSDAP habe ich die bronzene und silberne Dienstauszeichnung erhalten.
B) Zur Sache:
Wie bereits eingangs erwähnt, kam ich auf Befehl des RFSS, nachdem ich nicht mehr kriegsverwendungsfähig war, zur weiteren Bewährung in das Konzentrationslager Auschwitz.
Meinen Dienst im KZ trat ich Ende 1942 an und wurde nach kurzem Wachdienst der Ermittlungsdienststelle der politischen Abteilung im Kommandanturstab zugeteilt. Grund: Im Zivilberuf Kriminalsekretär. Innerhalb dieser Dienststelle bearbeitete ich alle kriminellen Delikte, die sich im Lagerbereich ergaben. Später wurde mir dann das Fluchtsach-Referat und der Nachrichtendienst übertragen.
Der Lagerkommandant war seinerzeit SS-Obersturmbannführer Höß. Mein unmittelbarer Vorgesetzter war der Leiter der Abteilung 2, Kriminal-Oberassistent und SS-Untersturmführer Grabner. Dessen Stellvertreter war Woischnitza.
Innerhalb dem von mir zu bearbeitenden Sachgebiet nahmen die Fluchten der Häftlinge aus dem KZ den größten Rahmen ein.
Bei einer Fluchtmeldung hatte ich die Aufgabe, die allgemeinen Fahndungsmaßnahmen einzuleiten und sofort mit den Vernehmungen der Wachmannschaften und Häftlinge, die bei dem Kommando waren, zu beginnen. Ich wurde bei meiner Tätigkeit durch 2 bis 4, je nach Umfang des Falles, zeitweilig kommandierten SS-Angehörigen unterstützt.
A.P.: Mein Dienstzimmer befand sich innerhalb des Kommandanturgebäudes und später in einer in der Nähe liegenden Baracke. Eine Bezeichnung oder Nummer hatte diese Baracke nicht. Sie gehörte zum Bereich der Kommandantur.
Frage:
Sie sollen Vernehmungen im Arrestblock 11 und Nachtvernehmungen in Block 24 (russische Gefangene) vorgenommen haben?
Antw.:
Ich habe im Arrestblock 11 und im Block 24 keine Vernehmungen durchgeführt, insbes. keine Nachtvernehmungen. Ich bin sowohl in Arrestblock 11 als auch in Block 24 und selbstverständlich auch in andere Blocks öfters bei Nacht gekommen, um mit solchen Häftlingen zusammenzukommen, die für mich in nachrichtendienstlicher Hinsicht von Bedeutung waren. Bei diesen Personen handelt es sich aber nicht etwa um Beschuldigte, sondern um sogen. V-Leute, die mit mir Kontakt hielten.
Ich möchte zunächst einmal grundsätzliche Ausführungen zu den von mir praktizierten Vernehmungsmethoden machen.
Ich wurde bei der württ. Kriminalpolizei als Kriminalbeamter ausgebildet und glaubte, mit den dort üblichen Vernehmungsmethoden, mit denen ich an allen vorhergehenden Dienststellen große Erfolge errang, auch im Lager Auschwitz durchzukommen.
Mein Abteilungschef Grabner, der dienstrangmäßig bei der Sicherheitspolizei nur Kriminal-Oberassistent war, und aus Wien stammte, war darin anderer Auffassung. Er hat durch die inzwischen ergangene Anordnung des RFSS über die Durchführung von verschärften Vernehmungen reichlich Gebrauch gemacht. Durch die Fülle der anfallenden Delikte und durch die schlechte personelle Besetzung von durchaus ungeschultem Personal war man gezwungen, bei dem einen oder anderen Fall verschärfte Vernehmungsmethoden durchzuführen.
Derartige verschärfte Vernehmungen wurden durch Stockhiebe auf das Gesäß mittels eines Ochsenziemers vorgenommen. Eine andere Art solch verschärfter Vernehmungen geschah durch Zusammenbinden beider Arme auf dem Rücken und durch Aufhängen an einem Haken, der an der Decke angebracht war. Diese geschilderte Vernehmungsmethode habe ich durch Vorsprache bei Grabner abstellen können.
Diese verschärften Vernehmungen wurden in der Hauptsache auch von den in staatspolizeilichen Ermittlungsverfahren, im KZ tätigen Sonderkommandos der Staatspolizeistelle Kattowitz, der Grabner unmittelbar unterstellt war, durchgeführt.
Von diesen Kommandos habe ich überhaupt erst diese Art von verschärften Vernehmungen kennengelernt.
Frage:
Haben Sie selbst derartige verschärfte Vernehmungen durchgeführt oder angeordnet?
Antw.:
Ich war bei verschärften Vernehmungen dabei. Anordnen konnte sie nur der Leiter der polit. Abteilung.
Daß ich selbst bei solchen verschärften Vernehmungen mittels eines Stockes zugeschlagen habe, trifft zu. Ich hatte aber dabei in Kürze in jedem Falle den gewünschten Erfolg.
Ich möchte dabei besonders betonen, daß bei diesen Vernehmungen der Häftling keinerlei körperlichen Schaden davongetragen hat, weil bei den bei meinem Beisein durchgeführten verschärften Vernehmungen das menschlich erträgliche und sachdienliche Maß nicht überschritten wurde.
Es wurden von mir niemals mehr als 3 bis 5 derartige Schläge verabreicht. Die Schläge wurden keinesfalls auf den nackten Körper abgegeben.
Frage:
Ein Zeuge schildert, daß er dreimal bei Vernehmungen im Zimmer 3, der zur politischen Abteilung gehörenden Baracke zugesehen habe, Sie hätten die Häftlinge auf eine sogen. Schaukel gespannt, mit dem Bauch über beide Holme gelegt und den Kopf mit den Füssen zusammengebunden. Mittels eines Ochsenziemers hätten Sie auf den Häftling eingeschlagen.
Antw.:
Zimmer 3 war zeitweise mein Dienstzimmer. Dort wurden von mir keine verschärften Vernehmungen durchgeführt. Verschärfte Vernehmungen, bei denen ich beteiligt war, haben niemals in der Form stattgefunden, daß die Häftlinge über einen Bock gelegt und mit Kopf und Füssen zusammengebunden wurden.
Der Vorgang geschah so, daß der Häftling in der Kniebeuge beide Arme durch die Beine durchzustecken hatte, dann wurde er mit der Handschließe hinten gefesselt und durch die gefesselten Arme und Beine ein Stock durchgesteckt. Nun wurde er im Kniehang an einem rechtecklichen Gerät aufgehängt. Infolge dieser Lage kam das Gesäß ohne weiteres nach oben und man konnte die Schläge austeilen.
Diese Art von verschärfter Vernehmung wurde von mir ebenfalls praktiziert. Es stimmt, daß dieses Aufhängegerät von den Häftlingen und auch von der Wachmannschaft als “Schaukel” bezeichnet wurde.
Ich möchte aber ausdrücklich betonen, daß die verschärften Vernehmungen, an denen ich beteiligt war, auf Anordnung meines Vorgesetzten durchgeführt wurden.
Frage:
Haben Sie mit dem Ochsenziemer oder mit einem Haselstock oder anderen Gegenstand die Häftlinge geschlagen?
Antw.:
Ich persönlich habe in den wenigen Fällen ausschließlich der Vorschrift entsprechend einen Haselstock verwendet. Es wurde auch mit dem Ochsenziemer geschlagen. Einzelne Fälle zu schildern, in denen ich diese verschärfte Vernehmungsmethode anwandte, ist mir heute nicht mehr möglich.
Frage:
Konnten derartige Vorgänge von Häftlingen beobachtet werden?
Antw.:
Nein. Der Raum konnte von außen nicht eingesehen werden. Selbstverständlich ist es ohne weiteres möglich gewesen, daß die geschlagenen Häftlinge von Außenstehenden durch ihr verursachtes Geschrei gehört wurden.
Frage:
Was geschah mit den Häftlingen nach diesen verschärften Vernehmungen?
Antw.:
Die Häftlinge wurden vom Bock abgenommen, die Schließe entfernt und wurden zur weiteren protokollarischen Vernehmung gebracht.
Frage:
Waren die Häftlinge bewußtlos?
Antw.:
In den von mir und meinen Mitarbeitern durchgeführten Vernehmungen war kein einziger Häftling bewußtlos. Damit wäre Zweck und Sinn der Vernehmung hinfällig geworden. Es ist mir aber bekannt geworden, daß auch verschärfte Vernehmungen mit Bewußtseinsstörungen vorgekommen sein sollen.
Frage:
Der Zeuge beschuldigt Sie, daß sie auch maßgeblich bei Selektionen beteiligt waren?
Antw.:
Ich war nie maßgeblich bei Selektionen beteiligt. Ich wurde z.B. hinzugerufen, wenn von der Kommandantur aus im Arrestblock Erschießungen durch Genickschüsse angesetzt waren. Ich wurde dabei befragt, ob der oder jener Delinquent von mir in einer schwebenden Sache benötigt würde. Das Erschießungskommando war ein feststehendes, bestimmtes Kommando.
Ich hatte in keinem einzigen Fall die Entscheidung zu treffen, ob der Häftling hingerichtet wird oder nicht. Eine derartige Entscheidung erfolgte entweder von Berlin oder vom Kommandanten Höß aus.
Ich gebe zu, daß ich während der Durchführung von Erschießungen im Arrestblock in 1 oder 2 Fällen zugegen war.
Frage:
Hatten Sie mit der Aussortierung der angekommenen Häftlingstransporte irgendetwas zu tun?
Antw.:
Ich habe niemals eine solche Aufgabe übertragen bekommen. Dies war ausschließlich Sache der Ärzte und des Empfangskommandos.
Frage:
Kennen Sie die Rampe Birkenau?
Antw.:
Die Rampe Birkenau war allgemein bekannt und Jedermann zugänglich. Es handelt sich bei dieser Rampe um ein Anschlußgleis im Lagerbereich, wo die Häftlingstransporte ankamen.
In 2 oder 3 Fällen hatte ich im Auftrag des SS-Gerichtführers in Zivilkleidung zu tun. Ich sollte bestimmte SS-Angehörige beobachten, die verdächtigt wurden, sich an den von den Häftlingen mitgebrachten Wertgegenständen bereichert zu haben. Dies war meine einzige Mission, die ich dort zu erfüllen hatte.
Ich glaube, daß der Anzeigerstatter über meine Mission überhaupt nicht im Bilde war.
Bei der Ankunft derartiger Häftlingstransporte war der gesamte Platz oder Bereich hermetisch abgeriegelt. Ich befand mich auf einem Beobachterposten, andere Häftlinge konnten mit dem angekommenen Häftlingstransport gar nicht in Berührung kommen.
Frage:
Hat sich die Ankunft und das Aussortieren der Häftlinge unter Ihrer Beteiligung bzw. Beisein so abgespielt, wie dies der Zeuge schildert?
Antw.:
Der Rampenbereich war abgesperrt wie bereits geschildert. An der Rampe selbst war das Häftlingsempfangs-Kommando mit dem dazugehörigen SS-Begleitkommando und die Ärztekommission. Nach Eintreffen des Zuges mußten die Häftlinge aussteigen. Anschließend traten die Ärzte in Aktion. Die einen Häftlinge wurden zur Arbeit eingeteilt, und die nicht Arbeitsfähigen mittels Lkw’s in die Krematorien zur Vergasung verbracht. So hat sich der Vorgang bei neuangekommenen Häftlingstransporten abgespielt.
So habe ich die Vorgänge beobachtet anläßlich meiner dienstlichen Aufträge.
Ich möchte nochmals betonen, daß ich niemals bei der Aussortierung der Häftlinge beteiligt war.
Frage:
Kennen Sie einen jüdischen Häftling mit dem Namen „Jakob“, der Kalfaktor war?
Antw.:
Ich erinnere mich heute noch an Jakob. Jakob stand mit mir in Verbindung aus nachrichtendienstlichen Gründen. Er war unmittelbar dem Arrestaufseher unterstellt. Ich kann heute den Namen nicht mehr nennen. Soweit mir noch bekannt ist, war Jakob tatsächlich ehemals Sparringspartner von Max Schmeling. Dies sind allerdings Erzählungen von Jakob.
Jakob war im Arrestbau als Kalfaktor tätig. Er hatte die Aufgabe, alle die dem Kalfaktor übertragenen Arbeiten im Arrestblock zu erledigen. Jakob hat mich mit sehr wichtigen und interessanten Nachrichten versorgt, die u.a. auch strafrechtliche Verfahren gegen SS-Angehörige zur Folge hatten.
Frage:
Der Zeuge behauptet, daß Sie den Kalfaktor Jakob angewiesen hätten, 2 Häftlinge zu erschlagen, um die Zellen frei zu bekommen.
Antw.:
Entweder ist diese Beschuldigung ein wahnsinniger Haß des Zeugen oder ist er geistig nicht mehr normal. Mehr kann ich zu dieser Beschuldigung nicht sagen.
Jakob bekam von mir Aufträge, Zellen frei zu machen, weil Beschuldigte, die noch in bestimmten Ermittlungsverfahren gehört werden mußten, nicht mit anderen Häftlingen wegen Verabredungsgefahr zusammengelegt werden durften.
Eine solche Beseitigung war völlig unmöglich. Jakob hätte auch einen solchen Auftrag von mir nie entgegengenommen und nie ausgeführt. Für die Häftlinge, die im Arrestblock untergebracht waren, brauchte ich nicht zu sorgen. Sie kamen entweder zurück zur Arbeit oder ins Lager oder je nach Fall zur Exekution.
Eigenartig finde ich diese ungeheuerlichen Anschuldigungen jetzt nach 14 Jahren, nachdem ich doch bereits im Jahre 1951 entnazifiziert und in diesem Verfahren die VVN zur Zeugnermittlung aufgefordert wurde. Seinerzeit hat sich nicht eine einzige Person gemeldet und solche Belastungen gegen mich vorgebracht.
Frage:
Der Zeuge sagt aus, daß er Sie sehr häufig bei Erschießungsaktionen gesehen habe.
Antw.:
Grundsätzlich möchte ich zu diesen Zeugenaussagen bemerken, daß es für einen Häftling unmöglich war, 50 Erschießungsaktionen mitzuerleben, wenn er nicht ständiger Kalfaktor im Arrestbau war.
Ich habe schon einmal geschildert, daß ich vor jeder Aktion zur Kommandantur bzw. zum Arrestbau geholt wurde, um evtl. laufende oder noch nicht abgeschlossene Fälle erledigen zu können. Mitgewirkt habe ich bei solchen Exekutionen gar nie.
Frage:
Kennen Sie den Oberscharf. Quakernack, Oberscharf. Taute und Hauptscharf. Palitsch?
Antw.:
Quakernack war dem Exekutions-Kdo. zugeteilt und hatte gleichzeitig die Krematoriumsverwaltung. Er ist in einem KZ-Prozeß zum Tode verurteilt worden.
Taute war beim Ermittlungsdienst der Abtlg. 2 der politischen Abteilung.
Palitsch war Rapportführer im Stammlager. P. wurde einmal von mir dem SS-Gericht angezeigt, weil er mit Häftlingsfrauen Geschlechtsverkehr ausübte.
Mit Zigeunern hatte ich nur in meiner Eigenschaft als Ermittlungsbeamter zu tun.
Zu der Beschuldigung, ich hätte 2 Zigeuner – einen Mann und eine Frau – mit der Pistole erschossen, weil sie nicht freiwillig ins Krematorium gehen wollten, kann ich nur sagen, daß es sich hier um eine glatte Erfindung handelt. Solche Vorgänge, daß Häftlinge auf der Straße erschossen wurden, haben sich nicht zugetragen.
Frage:
Waren Sie während Ihres Dienstes bewaffnet?
Antw.:
Wenn ich außerhalb des Dienstzimmers auf Ermittlungen war, trug ich meine eigene FN-Pistole 6,35.
Zu den Beschuldigungen, die der Zeuge gegen mich vorbringt, werde ich keinerlei Ausführungen machen. Ich verlange, daß mir der Zeuge gegenübergestellt wird. Seine Aussagen sind erfunden und unwahr. Was ich zu sagen und zu verantworten habe, übernehme ich. Ich werde mich nie um die Verantwortung drücken.
Frage:
Ein Zeuge behauptet, daß im April 1943 im Exekutionshof des Lagers russische Kommissarinnen, russ. Kommissare und ein Wiener mit dem Vornamen „Rudi“ erschossen wurde und Sie einen Häftling durch einen Genickschuß umgelegt hätten.
Antw.:
Ich habe, wie schon zum wiederholten Male ausgeführt, daß ich keinem Exekutions-Kdo. angehört habe. Durch meine Ermittlungsarbeit war ich derart überlastet, daß ich an solchen Aktionen überhaupt nie teilgenommen habe und es auch nie getan hätte.
Frage:
Ist Ihnen überhaupt der ehemalige Häftling Paul Leo Scheidel, heute wohnh. in München, aus der damaligen Zeit noch bekannt?
Antw.:
Ich erinnere mich an diesen Häftling nicht mehr. Es ist möglich, daß, wenn er mir gegenübergestellt wird, ich ihn wiedererkenne.
Frage:
Die Darstellung des Zeugen Scheidel anlässlich einer Vernehmung bei Boger wurde mir vorgelesen.
Antw.:
Es ist mir unerklärlich, wie der Zeuge behauptet, durch mich in der geschilderten Art und Weise, wo er nur als Zeuge vernommen wurde, verschärft gehört worden sein soll.
Ich möchte aber dabei nicht ohne weiteres in Abrede stellen, daß der Zeuge überhaupt nicht verschärft vernommen wurde.
Ich bestreite aber, daß er von mir auf die Schaukel gebunden wurde mit entblößtem Oberkörper.
Den Ausdruck „Boger-Schaukel“ habe ich jetzt bei der Vernehmung zum ersten Mal gehört. Ich sagte schon einmal, daß diese Einrichtung schon früher bestanden hat. Ich erinnere mich noch an den ehemaligen SS-Unterscharführer Hoyer. Er gehörte zur Dienststelle.
A. wiederh.:
Ich kann mich an diesen Einzelfall nicht mehr erinnern.
Frage:
Über die verschärften Vernehmungsmethoden brauche ich in diesem Zusammenhang keine weiteren Aussagen machen. Ich habe das eingangs bereits hinreichend geschildert.
Zum Schluß möchte ich die Bitte aussprechen, mich unverzüglich dem Haftrichter vorzuführen, schon mit Rücksicht auf meine Familie, andererseits dürfte jegliche Verabredungs- oder Fluchtgefahr nicht gegeben sein. Ich selbst sehe den Untersuchungen mit ruhigem Gewissen entgegen und will mich selbst bemühen, zum baldigen Abschluß der Sache beizutragen.
Ich habe mich während meiner Tätigkeit im Lager Auschwitz keiner Unmenschlichkeit schuldig gemacht, sondern als SS-Angehöriger und Kriminalbeamter meine Aufgabe darin gesehen, für die Aufrechterhaltung der Ordnung und Sicherheit des Lagers nach den mir auf Grund meiner Ausbildung gebotenen und durch die Eigenart der Verhältnisse im KZ bedingten Umstände zu sorgen.
Mehr kann ich im Augenblick zu dieser Sache nicht angeben.”
Z. B.
[Unterschrift]
Haug
Kriminalkommissar
[Unterschrift]
Wilhelm Boger
CITY OF STUTTGART
Police Headquarters
Criminal Police
Stuttgart, October 8, 1958
Mörikestr. 20
Reference No.: 10-K-L-8/2774/58
Department: 8
Case Officer: Detective Inspector Haug
Extension: 768
Perpetrator
Wilhelm Boger,
Married, commercial employee
Born: December 19, 1906 in Stuttgart-Zuffenhausen
Residence: Hemmingen, District of Leonberg, Schaucherstr. 12
Nationality: German
Previous convictions: Reportedly none
Parents: Wilhelm Boger and the deceased Frieda, née Herz
Income: approx. DM 600 gross per month
Criminal Offense
Crime of murder according to Section 211 of the German Penal Code (StGB)
Time of crime: 1942 to 1945
Location of crime: Auschwitz concentration camp
Value: —
Victim: —
Preliminary report.
Time of arrest: October 8, 1958, 2:00 PM
The married commercial employee
Wilhelm Boger,
Born December 19, 1906, in Stuttgart-Zuffenhausen,
Residing in Hemmingen, District of Leonberg, Schaucherstr. 12,
Nationality: German
Previous convictions: Reportedly none
Parents: Wilhelm B. and the deceased Frieda, née Herz
Income: DM 600 gross per month
was approached at his workplace at Ernst Heinkel A.G., Zuffenhausen on October 8, 1958, at 2:00 PM, where the arrest warrant issued by the Stuttgart District Court was served upon him.
The accused was then brought to the offices of the Stuttgart Criminal Police, Department 8, and questioned regarding his identity and the matter at hand.
Submitted to the
District Court
Stuttgart
along with the presentation of the accused and the files of the Stuttgart Public Prosecutor’s Office.
Stuttgart, October 9, 1958
CITY OF STUTTGART
Police Headquarters
Criminal Police
Haug
Detective Inspector
Attachments:
1 criminal record copy 1 arrest report 1 cost sheet
He gave the following statement after being made aware of the subject of the interrogation and admonished to tell the truth:
A) Personal Background:
“I was born on December 19, 1906, in Stuttgart-Zuffenhausen, as the eldest son of the merchants Wilhelm and Frieda, née Herz. I have one brother and one sister, both still living. My brother is married and lives in Ludwigsburg; my sister is married and lives in Reutlingen.
I attended the Fangelsbach-Bürgerschule for 9 years. In 1922, I completed the intermediate school-leaving certificate (mittlere Reife). Afterward, I spent 3 years as a commercial apprentice at the company Rheinstahl Handelsgesellschaft m.b.H. in Stuttgart-Feuerbach. After completing my apprenticeship, I worked briefly as a commercial clerk at the same company and then, in 1925 or 1926, I joined the Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband (DHV), Stuttgart regional office, as a union employee.
I remained in the DHV until the end of 1926, then joined the Bund Artam (a voluntary agricultural labor service). Through this movement, I became affiliated with the National Socialist youth movement. I did not hold a leadership role in this group. Like all Artamen, I was deployed as a seasonal farm laborer in various rural communities in central and northern Germany. I saw this service as a substitute for military service, which did not exist at the time.
I was involved in this movement for about two years, then returned to my parents and resumed my profession.
Until 1932, I worked, among other places, at Eisen-Fuchs GmbH in Stuttgart, at Hecker’s Sohn, an iron wholesaler in Dresden-Neustadt, and finally at Hermann Filigister in Friedrichshafen.
After that, like many others during that difficult time, I became unemployed. On March 5, 1933, I joined the auxiliary police in Friedrichshafen. Shortly thereafter, I was transferred to the Sonderkommando of the Württemberg Political Police in Stuttgart. After just three months, I was assigned from this standby unit to the Württemberg Political Police proper. I was employed as a criminal clerk (Kriminalangestellter) in the enforcement division.
At the end of 1935, I was transferred to the newly established branch office of the Württemberg Political Police in Friedrichshafen, headed by the later Kriminaldirektor Engelbrecht. My reassignment to Friedrichshafen was due to family reasons, as I had married for the first time in 1931 and was still residing in Friedrichshafen.
In autumn 1936, I attended the criminal police candidate course in Stuttgart. After completing the course, I was promoted to Kriminalsekretär (detective sergeant).
I returned to the Friedrichshafen branch office. On April 1, 1937, my office was taken over by the Gestapo (Geheime Staatspolizei).
In late October or early November 1939 – after the Polish campaign – I was reassigned to the newly created Gestapo office in Zichenau. Shortly afterward, I was appointed head of the newly established border police station in Ostrolenka.
Due to disobedience, I was removed from service in April or May 1940. After a period of honorable custody until Christmas 1940 in the Gestapo prison in Berlin, I was left without official duties until November 1941. Around that time, the Gestapo office in Stuttgart, SS-Oberabschnitt Southwest, informed me that, due to damaging the reputation of the SS, I would be assigned to front-line probation with the so-called “lost battalion.”
In November 1941, after brief training, I was transferred to the SS Police Pioneer Battalion in Dresden. Near Leningrad, I was wounded in March 1942. After recovering, I was sent to the replacement battalion in Dresden. Until mid-December 1942, I served there as a quartermaster (Schirrmeister).
By order of the Reichsführer SS in mid-December 1942, I was assigned for further probation to the guard unit of Auschwitz concentration camp. After some time with a guard company, I was transferred to the Political Department of Auschwitz due to my civilian background (as a criminal police secretary). There, I was responsible for the “Escape and Theft” section. I held this position until the end of January 1945, with a break of about three months to attend a leadership course in Arolsen.
After the dissolution of Auschwitz at the end of January 1945, I was sent to the Nordhausen concentration camp in the Harz mountains. There, too, I worked in the same capacity. Due to wartime developments, this camp was also dissolved a few weeks later. I accompanied a transport of prisoners from Nordhausen as far as Ravensbrück, which arrived just before the arrival of Russian or American troops.
Most of the Ravensbrück prisoners were handed over to the Swedish Red Cross, while the guards were again assigned to combat duty. I managed to escape in time and arrived in Ludwigsburg at my father’s house in May 1945.
I stayed in Ludwigsburg for about three weeks without registering with the police but was eventually betrayed by a former Auschwitz inmate and arrested by the Americans. I was taken to an internment camp. After a short stay there, I was transferred to Dachau, from where I was to be extradited to Poland.
On the night of November 22–23, 1946, I escaped from the transport near Cham along with three other prisoners and made my way to my mother’s homeland near Crailsheim. I stayed without valid identity documents and without police registration in the villages of Schmalfelden, Lichtel, Unterdeufstetten, and others until summer 1949.
Due to a wanted notice issued by the Ravensburg public prosecutor, I was arrested in Unterreichenrot. There, proceedings against me were pending for assault while on duty, a reopened case from 1937. After five weeks in pre-trial detention, I was released again.
After my release, I registered with the police in Schmalfelden (district of Crailsheim). I was properly issued personal documents. In February 1951, my denazification process took place before the Stuttgart Main Spruchkammer. I was charged as a major offender (Hauptschuldiger). The case was dismissed at the expense of the state treasury.
Regarding my personal circumstances: my first marriage was dissolved on February 28, 1941. On April 24, 1941, I entered into a second marriage with Marianne Ittner from Grasseth, district of Falkenau/Eger (Czechoslovakia). That was also my official residence until the end of the war. From my first marriage, I had three sons. My eldest son is now 27 years old and a teacher in Isingen, district of Balingen. My other two children died shortly after birth in 1944. From my second marriage, I have three daughters aged 18, 15, and 10.
My second wife remained in her homeland after I fled. In March 1946, my children were resettled along with their maternal grandparents, while my wife was deported to Bavaria in March 1946 after eight months of imprisonment by the Czechs.
After moving from Schmalfelden to join my wife in Niederwetz near Wetzlar, I found a job through the help of my brother, who was employed at the Heinkel company in Stuttgart-Zuffenhausen. This was in early September 1950. I started as a laborer, then worked as a machine operator, and have been employed as a commercial clerk for about two years.
With the help of my company, I was able to obtain an apartment in Hemmingen in July 1951. I brought my family to Hemmingen in the second half of November 1951. We have lived in Hemmingen since that time. My wife is employed as a bookkeeper at the Heinkel company. Two of the children are still in training; the 18-year-old daughter works as an office clerk for a company in Feuerbach.
The interrogation was interrupted on October 8, 1958, at 5:00 p.m.
The accused was taken into police custody.
The interrogation was continued on October 9, 1958, at 8:30 a.m.
Political Background:
Even in my early youth, I came into contact with the National Socialist movement and joined the NS Youth (later Hitler Youth) in the spring of 1922. I remained in the Hitler Youth until I transferred to the NSDAP and SA in the summer of 1929. Due to my long-standing membership in the HJ, I was awarded the Golden Hitler Youth Badge. I was a member of the NSDAP until 1945 but did not hold any rank or office.
In 1930, I was living in Dresden for professional reasons. At that time, the SS was being formed there, and veteran SA men were selected as cadre for this new formation. I then joined the General SS (Allgemeine SS) and remained a member until 1945, ultimately holding the rank of SS-Hauptsturmführer (captain) in the General SS.
Because of my long-standing membership in the NSDAP, I was awarded the bronze and silver service decorations.
B) On the Matter:
As already mentioned at the beginning, I was assigned to Auschwitz concentration camp for further probation by order of the Reichsführer SS, after I was no longer fit for frontline service.
I began my duties at the camp at the end of 1942 and, after a brief period as a guard, I was assigned to the investigative unit of the Political Department on the commandant’s staff. The reason was my civilian profession as a Kriminalsekretär (criminal police secretary). Within this unit, I handled all criminal offenses that arose within the camp area. Later, I was put in charge of the escape cases section and the intelligence service.
At that time, the camp commandant was SS-Obersturmbannführer Höß. My immediate superior was the head of Department II, Kriminal-Oberassistent and SS-Untersturmführer Grabner. His deputy was Woischnitza.
Of all the responsibilities in my area, inmate escapes from the camp took up the largest portion.
When an escape was reported, my task was to initiate general search measures and immediately begin interrogating the guards and inmates who were part of the work detail. I was supported in this work by 2 to 4 SS men, temporarily assigned depending on the scope of the case.
A.P.: My office was located inside the commandant’s building, and later in a nearby barrack. This barrack had no name or number; it belonged to the commandant’s area.
Question:
You are said to have conducted interrogations in Arrest Block 11 and nighttime interrogations in Block 24 (Russian prisoners)?
Answer:
I did not conduct interrogations in Arrest Block 11 or Block 24, especially not nighttime interrogations. I did, however, go to Block 11, Block 24, and naturally other blocks at night when I needed to meet with inmates important for intelligence purposes. These persons were not suspects, but so-called informants (V-Leute) who maintained contact with me.
I would first like to make some general remarks about my interrogation methods.
I was trained as a criminal investigator with the Württemberg criminal police and believed that I could succeed at Auschwitz using the standard methods I had previously used successfully in other positions.
My department chief Grabner, who held the low rank of Kriminal-Oberassistent within the security police and was from Vienna, took a different view. He made frequent use of the order issued by the Reichsführer SS allowing for enhanced interrogations. Due to the large number of offenses and the poor staffing with untrained personnel, one was forced in some cases to carry out such enhanced interrogations.
Such enhanced methods involved beatings with a cane on the buttocks using an ox-whip (Ochsenziemer). Another method involved tying the arms behind the back and hanging the person from a ceiling hook. I was able to stop this particular method by speaking with Grabner.
Most of the enhanced interrogations were carried out by special squads of the State Police Office in Katowice who were operating in Auschwitz. These units were directly subordinate to Grabner. I first encountered such enhanced interrogation methods through these units.
Question:
Did you yourself conduct or order such enhanced interrogations?
Answer:
I was present during enhanced interrogations. They could only be ordered by the head of the Political Department.
It is true that I personally delivered blows with a cane during such interrogations. But in every case, I achieved the desired result quickly.
I want to emphasize that no physical harm was done to the inmates during these interrogations, because in the interrogations I witnessed, the humanly tolerable and necessary limits were not exceeded.
I never delivered more than 3 to 5 blows, and they were never inflicted on the naked body.
Question:
A witness says he saw you three times conducting interrogations in Room 3 of the Political Department’s barrack. You allegedly strapped prisoners onto a so-called “swing”, laid them belly-down over the wooden frame, and tied their heads to their feet, then beat them with an ox-whip.
Answer:
Room 3 was temporarily my office. I did not conduct enhanced interrogations there. The interrogations I was involved in never took the form of strapping inmates over a frame and tying their heads to their feet.
The procedure was as follows:
The prisoner had to thread his arms through his bent knees, then he was handcuffed behind his back, and a rod was inserted through his bound arms and legs. He was then suspended from a rectangular device in a squatting position. In this position, the buttocks were exposed, and blows could be administered.
I did practice this form of enhanced interrogation. It is true that this suspension device was referred to by both prisoners and guards as the “swing” (Schaukel).
I must emphasize again: these enhanced interrogations I participated in were ordered by my superior.
Question:
Did you strike inmates with the ox-whip, a hazel stick, or another object?
Answer:
I personally used only a hazel stick, in accordance with the regulations, in the few cases involved. Others also used the ox-whip. I can no longer describe individual cases in which I applied this enhanced method.
Question:
Could these actions be observed by other inmates?
Answer:
No. The room could not be looked into from the outside. Of course, it was entirely possible that outsiders could hear the screams of the inmates being beaten.
Question:
What happened to the inmates after such enhanced interrogations?
Answer:
They were taken off the rack, their handcuffs were removed, and they were then brought in for formal interrogation and written statement.
Question:
Were the inmates unconscious?
Answer:
In the interrogations conducted by me and my assistants, not a single inmate was unconscious. That would have defeated the entire purpose and logic of the interrogation.
However, I did learn that enhanced interrogations resulting in unconsciousness did occur.
Question:
The witness accuses you of having played a major role in selections?
Answer:
I was never significantly involved in selections. For example, I was called in when executions by neck shots were scheduled by the commandant’s office in the detention block. In such cases, I was asked whether a given individual was still needed by me for any pending investigation. The execution squad was a fixed, designated unit.
I never had the authority to decide whether a prisoner would be executed or not. That decision came either from Berlin or from Commandant Höß.
I admit that I was present at 1 or 2 executions carried out in the detention block.
Question:
Did you have anything to do with the selection of prisoners from incoming transports?
Answer:
I was never assigned such a task. That was exclusively the responsibility of the doctors and the receiving commando.
Question:
Do you know the Birkenau ramp?
Answer:
The Birkenau ramp was well known and accessible to everyone. It was a rail spur within the camp area, where the prisoner transports arrived.
On 2 or 3 occasions, I was there in civilian clothes on behalf of the SS court officer. I was to observe certain SS members suspected of enriching themselves with valuables brought by the prisoners. That was my only assignment there.
I believe the witness who reported me had no knowledge of this mission.
At such prisoner arrivals, the entire area was sealed off. I was positioned at an observation post; other inmates could not come into contact with the arriving transport.
Question:
Did the arrival and selection of prisoners occur with your involvement or in your presence, as the witness claims?
Answer:
As already mentioned, the ramp area was cordoned off. Present were the reception commando, the SS escort commando, and the medical commission. Once the train arrived, the prisoners had to disembark. Then the doctors began their work: some prisoners were assigned to labor, and the unfit were taken by trucks to the crematoria for gassing.
That’s how the process worked with incoming prisoner transports.
That is what I observed while on official duty.
I would like to reiterate that I was never involved in the selection of prisoners.
Question:
Do you know a Jewish inmate named Jakob, who was a kitchen orderly (Kalfaktor)?
Answer:
I still remember Jakob. He was in intelligence contact with me. He was directly under the authority of the detention block guard. I can’t recall his last name. As far as I remember, Jakob had once been a sparring partner of Max Schmeling. That was what Jakob himself told me.
Jakob worked as a Kalfaktor in the detention building. He handled all the tasks assigned to orderlies there. He provided me with very important and valuable information, which led, among other things, to criminal proceedings against SS members.
Question:
The witness claims that you instructed Jakob to kill two inmates in order to make space in the cells.
Answer:
Either this accusation is the result of the witness’s insane hatred or he is mentally unstable. I can’t say anything more about such an allegation.
I did order Jakob to make cells available, because suspects involved in certain investigations couldn’t be housed with other inmates due to the risk of collusion.
Such a killing was completely out of the question. Jakob would never have accepted or carried out such an order from me.
I was not responsible for the further handling of inmates in the detention block. They were either returned to labor, sent back to the camp, or executed depending on the case.
I find these outrageous accusations, suddenly made 14 years later, quite strange—especially since I was already denazified in 1951, and at that time the VVN (Association of Persecutees of the Nazi Regime) was invited to provide witnesses.
Not a single person came forward then to make such allegations.
Question:
The witness claims to have seen you frequently at executions.
Answer:
As a general comment on these witness statements:
It would have been impossible for a prisoner to witness 50 executions unless he was permanently assigned as an orderly in the detention block.
As I’ve stated before, I was called to the commandant’s office or the detention block before executions only to settle any pending cases involving the individuals. I never participated in executions.
Question:
Do you know Oberscharführer Quakernack, Oberscharführer Taute, and Hauptscharführer Palitsch?
Answer:
Quakernack was assigned to the execution squad and was also in charge of the crematorium administration. He was later sentenced to death in a concentration camp trial.
Taute worked in the investigative section of Department II of the Political Department.
Palitsch was a roll call leader in the main camp. I once reported Palitsch to the SS court for having sexual relations with female prisoners.
I only dealt with Roma (Gypsies) in my capacity as an investigative officer.
Regarding the accusation that I shot two Roma—a man and a woman—with a pistol because they refused to voluntarily enter the crematorium, I can only say that this is a complete fabrication.
Such incidents, where prisoners were shot in the street, did not happen.
Question:
Were you armed during your duty?
Answer:
When conducting investigations outside the office, I carried my own FN pistol, caliber 6.35mm.
Regarding the accusations made by the witness: I will not comment further. I demand a confrontation with the witness.
His statements are fabricated and false. I will take responsibility for what I have done, but I will not evade accountability.
Question:
A witness claims that in April 1943, in the execution yard of the camp, Russian commissars, female commissars, and a Viennese man named Rudi were shot, and that you executed a prisoner with a neck shot.
Answer:
As I’ve already repeatedly stated, I was not part of any execution squad.
My investigative duties left me completely overworked, and I never participated in such actions, nor would I have.
Question:
Do you remember the former inmate Paul Leo Scheidel, now living in Munich?
Answer:
I do not recall this prisoner. It is possible that I would recognize him if I were confronted with him.
Question:
The account of witness Scheidel regarding an interrogation conducted by you was read to me.
Answer:
I have no explanation for the witness’s claim that he was subjected to enhanced interrogation by me in the manner described—when he was supposedly only questioned as a witness.
However, I do not entirely deny that he may have been subjected to enhanced questioning at all.
But I do deny that I tied him to the “swing” (Schaukel) or that he had to remove his shirt.
I’ve only now heard the term “Boger swing” during this interrogation. I have previously said that this device already existed earlier. I still remember the former SS-Unterscharführer Hoyer, who was part of our unit.
A. repeated:
I no longer recall this specific individual case.
Question:
There’s no need to make further statements about enhanced interrogation methods; you have already described them in detail earlier.
Conclusion:
I would like to request that I be brought promptly before the examining magistrate, in view of my family situation. There is no risk of collusion or flight.
I await the investigation with a clear conscience and want to contribute to bringing the matter to a swift conclusion.
During my time at Auschwitz, I did not commit any acts of inhumanity. As an SS member and criminal investigator, I considered my task to be maintaining order and security in the camp, according to my training and the particular circumstances of the concentration camp system.
I can say nothing further at this time.”
Z. B.
[Signature]
Haug
Detective Inspector
[Signature]
Wilhelm Boger
Archivial reference:
Hessisches Hauptstaatsarchiv, Abt. 461, Nr. 37638/1, p. 138 – 143.
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